Hast du noch Töne?

Das fragen wir uns manchmal, wenn etwas Überraschendes passiert ist. Das könnten wir uns demnächst auch im Gottesdienst fragen. Aber da kommen die Töne von einem Instrument, das – zumindest in Deutschland – ganz selbstverständlich zu einer Kirche gehört: Der Orgel. Deren Töne stammen von den Pfeifen und die wiederum werden von den Blasebälgen mit Luft versorgt. Ohne Luft kein Ton. Und genau da hat die Orgel von Maria Himmelskron ein Problem.

In absehbarer Zeit müssen nämlich diese Blasebälge, deren Ledermaterial erschöpft ist, erneuert werden. Nach den bisherigen Kostenvoranschlägen kostet diese Maßnahme an die 30 000 Euro: Das Teure dabei sind nicht die Materialkosten für die Lederbälge. Aber es ist ungemein arbeitsintensiv und aufwändig, überhaupt an die Stellen heranzukommen. Und das stellt den Verwaltungsrat vor eine Grundsatzfrage: Sollen wir wirklich so viel Geld in ein Instrument investieren, das nach den Aussagen einer Orgelbaufirma dringend einer Grundsanierung bedarf? Das nach einer Stellungnahme des Or­gelsachverständigen der Diözese diverse konzeptionelle Mängel hat und der uns wörtlich schreibt: „Von der Investition eines solchen Betrages in ein derart mangelhaftes Instrument rate ich dringend ab“.

Was aber ist die Alternative? Eine neue Pfeifenorgel für eine Kirche dieser Größe mit 25 Registern ist unter 400 000 Euro nicht zu haben. Das ist einfach so – und diese Summe erscheint uns im Moment total illusorisch.

Dann aber erreichten uns Nachrichten aus verschiedenen Kirchengemeinden, die gute Erfahrungen mit Elektroorgeln gemacht haben. So zum Beispiel in Ober-Roden oder Egelsbach. Nach Klangproben mussten wir eingestehen, dass zumindest ein Laie keinen Unterschied zur klassischen Orgel erkennen kann. Elektroorgeln haben zudem den Charme weitgehend wartungsfrei und unabhängig von Klima und Temperaturen zu sein. Und vor allem sind sie wesentlich günstiger: Für eine Kirche in unserer Größenordnung belaufen sich die Kosten – Instrument und Verstärker – auf ca. 70 bis 80.000 Euro.

Doch grau ist alle Theorie: Am Wochenende vom 19.-20. August haben wir die Gelegenheit den Klang einer Elektroorgel in den Gottesdiens­ten mitzuerleben. Danach kann man sich das Instrument auch anschauen und Fragen dazu stellen. Bitte nutzen Sie diese Gelegenheit und bilden Sie sich eine Meinung. Das hilft dem Verwaltungsrat, seinerseits zu klären ob es gut und sinnvoll ist diesen Weg weiter zu verfolgen. Für manche mag all das sehr überraschend sein, manche wird es nur wenig berühren, denn bisher war das ja keine Frage: Dass die Orgel halt spielt. Aber wir dürfen die Augen vor dem Problem nicht verschließen. Es muss etwas getan werden. Und möglicherweise werden da neue Wege - eben den einer Elektroorgel - beschritten. Denn ansonsten müssen wir uns bald fragen: Hat sie noch Töne? Unsere Orgel.

Ihr Martin Weber, Pfarrer

Scroll to top