Ehe-Bruch Juli 2017

Eine große Koalition aus fast allen Parteien hat am 30.6.2017 die „Ehe für alle“ beschlossen. Auch Teile der CDU/CSU, nachdem Angela Merkel bei einer Brigitte Talk-Show(!) wieder ei­nen ihrer legendären Kurswechsel vollzogen hat. Damit surft die Bundeskanzlerin auf der Welle des Zeitgeistes, denn „natürlich“ sind eine große Mehrheit der Medien, Meinungsmacher und Menschen dafür. So ist es beschlossen: Die völ­lige Angleichung der Ehe zwischen Mann und Frau und ebensolchen Gemeinschaften homo­sexueller Menschen. Ich finde das aber weiterhin falsch und möchte drei Gründe nennen:

- „Wo alle das Gleiche denken, da wird selten gedacht!“ – Ich weiß nicht, von wem dieser Satz stammt, aber er kam mir bei dieser Debatte in den Sinn. Wenn es nach den Medien und Mei­nungsmachern geht, darf man bei der „Ehe für alle“ nur so denken, wie sie es vorgeben. Alles andere sei unmenschlich und homophob. Als ob es darum ginge, Menschen zu beurteilen oder gar zu verurteilen. Darum geht es nicht. Sondern darum, dass der Ehebegriff beliebig wird und seine Bedeutung verliert.

- Wer den Mut hat seinen eigenen Verstand zu benutzen wird sehen, dass unser Grundgesetz die Ehe ausdrücklich schützt. Und natürlich hat­ten die Verfassungsväter und Mütter die Ehe zwischen Mann und Frau im Blick. Nur aus die­ser Verbindung kann Leben hervorgehen. Das Grundgesetz schützt die Ehe, nicht weil sie eine private Liebesbeziehung ist, sondern weil sie elementar für den Fortbestand unseres Geeinwesens ist, weil Kinder daraus hervorgehen können und diese – auch das ist im Interesse des Staates – in halbwegs stabilen Verhältnis­sen aufwachsen sollen.

- Um auch diese Klippe zu umschiffen, will man homosexuellen Partnerschaften das Adoptions­recht öffnen oder – und das wird wohl die Zu­kunft sein – Leihmutterschaft und Ähnliches ermöglichen. Und Frau Merkel sprach ja bei der Brigitte davon, dass sie lesbische Partnerschaf­ten kenne, die sich liebevoll um mehrere Pflege­kinder kümmern. Als ob es darum ginge. Nie­mand wird solchen Menschen absprechen, dass sie sich liebevoll der Kinder annehmen. Quer durch die Republik kennt inzwischen jeder Bei­spiele dafür. Und sicher wird es bald Studien geben, die das „wissenschaftlich“ absegnen. Und trotzdem gilt weiter: Kein Paar hat ein Recht auf Kinder – kein heterosexuelles und kein homosexuelles. Sonst treten wir ein in den schrecklichen Supermarkt der Menschenma­cher. Aber jedes Kind hat ein Recht auf Vater und Mutter.

Zum Zeitpunkt, an dem ich diese Zeilen schrei­be, scheint die Schlacht „verloren“. Die „Ehe für alle“ wird kommen. Ich bin aber der Überzeu­gung: Das wird auf dem Papier stehen. Die Ehe zwischen Mann und Frau ist eine jahrtausen­dealte Institution, die in der Natur und Kultur der Menschen eingeschrieben ist. Sie gehört nicht den Volksvertretern und kann nicht beliebig um-­definiert werden. In diesem Sinn kann sie auch nicht zu „Bruch“ gehen.

Martin Weber, Pfarrer

 

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