Klingelbeutel
Ich kann mich sehr gut erinnern. Kurz bevor es in die Kirche ging, drückte mir meine Mutter eine Mark in die Hand: Für den Klingelbeutel.Und ich war mächtig stolz mit allen Erwachsenen dann auch etwas in den besagten Beutel werfen zu können. So bin ich, so sind wohl die meisten Katholiken mit dem Klingelbeutel groß geworden. 

Viele fragen aber: Was geschieht eigentlich mit dem Klingelbeutel? Und: Warum sollen wir neben der Kirchensteuer auch in der Kirche noch Geld abdrücken? Von Kollekten und der Unterstützung der Gemeinden mit Geld erzählt schon der Apostel Paulus in seinen Briefen. Früh war es üblich, dass die Leute zum Sonntagsgottesdienst Naturalien mitbrachten, die dazudienten den Pfarrer zu alimentieren. Mit Brot und Wein wurden sie zum Altar gebracht.Während erstere die Opfergaben für die Feier der Eucharistie waren, waren die anderen sozusagen die Opfergaben der Gläubigen.

Daraus hat sich später der Klingelbeutel entwickelt. Bis heute hat der Klingelbeutel eine wichtige Bedeutung: Das gesammelte Geld dient dazu, alle Kosten, die durch die Zuweisung des Bistums nicht aufgefangen werden, zu begleichen. Dazu zählen zum Beispiel: Die Heizung der Kirche, Strom und Wasser, Reinigungskosten, Ausgaben für Computer und Büro und vieles mehr. Deshalb brauchen wir trotz der Kirchensteuer den Klingelbeutel.

Vom Klingelbeutel zu unterscheiden sind die Kollekten: Das sind festgelegte Sammlungen,die nicht in der Gemeinde bleiben, sondern nach Mainz abgeführt und dort weitergeleitet werden. Die großen Kollekten kennen Sie: Adveniat, Misereor, Renovabis und Missio.Dazu kommen kleinere Kollekten, wie z.B. Max-Kolbe-Werk, Sternsinger, Afrikatag, Aufgaben der Caritas, Diaspora, Geistliche Berufe, Aufgaben des Papstes, Behinderten-Seelsorge und Gefangenen-Seelsorge. Die Kollekten sind im „Unser Kercheblättche“immer angegeben. Wenn keine Angabe darinsteht, ist die Sammlung bei der Messe der besagte Klingelbeutel der für die Gemeinde bestimmt ist; und auf den wir nicht verzichten können.

Ihr Martin Weber, Pfarrer

PS: Manchmal birgt der Klingelbeutel auch spannende Sachen: Geldscheine aus aller Herren Länder. Immer wieder Erfreuliches: Z.B.: Ein 500 Euro Schein. Dann auch Altbekanntes:Hosenknöpfe. Und zuweilen Trauriges:Einen Ehering. Zumindest letzteres wäre aber eine ganz eigene Geschichte …

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