1517 -  2017
Natürlich geht das 500-jährige Reformations- Jubi­läum an uns Katholiken nicht einfach so vorbei. Wir feiern es zwar nicht, denn es ist für uns untrennbar mit der Spaltung der westlichen Christenheit verbunden, aber wir würdigen es. Und schauen hin auf den Mann, der das in einzigarti­ger Weise verkörpert: Martin Luther.
Martin Luther ist ganz und gar ein Mensch des Mittelalters und steht doch schon an der Schwelle der Neuzeit. Seine „reformatorische Entdeckung“ ist die für ihn ungeheuer befreiende Einsicht, dass der Mensch nicht durch Werke vor Gott gerecht werden kann, sondern allein durch Gottes Gnade. Vereinfacht könnte man sagen: Vor aller Leistung bist du, Mensch, von Gott geliebt! Das können Katholiken aus ganzem Her­zen bejahen.
Und etwas anderes verdanken wir Martin Luther: Die Reformation kam nicht aus heiterem Him­mel. Die mittelalterliche Kirche bot nämlich alles andere als ein Evangelium-gemäßes Bild. Da gab es Ämterkauf. Da gab es einen Klerus, der über keinerlei Bildung verfügte, mit Müh und Not die „Messe lesen“ konnte und sehr oft im Konku­binat lebte. Da gab es den Missbrauch des Ab­lasswesens und vieles mehr. Die Reform an „Haupt und Gliedern“ wurde oft gefordert, aber erst als Antwort auf Luther machte man auf dem Konzil von Trient ab 1545 Ernst damit.
Trotzdem ist Luther für uns kein „Kirchenleh­rer“, zu dem ihn manche machen möchten. Denn er hat das Kind leider mit dem Bade ausgeschüttet. Und das liegt an seinen Verein-seitigungen. „Sola scriptura“ – die (heilige) Schrift allein war einer seiner Kampfrufe. Und so wichtig die Wiederentdeckung der heiligen Schrift und auch Luthers geniale Übersetzung war: Die Bibel war von Anfang an ein „Buch der Kirche“. Sie ist nicht vom Himmel gefallen, sondern in der Gemeinschaft der Glaubenden entstanden und in ihr ausgelegt worden. Wo man die Bibel und die Kirche trennt, macht man sie zu einem Buch, aus dem jeder ales herauslesen kann. Das Verbindende und Verbindliche geht verloren.

Ähnlich ist es mit seinem Ruf: „Solus Christus“ - allein Christus. So wichtig die Konzentration auf Jesus Christus ist, so falsch ist es die Glau­bensgemeinschaft der Kirche dabei zu vergessen . Die Kirche ist nach biblischer und früh­christlicher Überzeugung der „Leib Christi“, während er das Haupt ist. Das konnte Luther kaum mehr sehen. Das ist bis heute eine der Hauptdifferenzen zwischen den Konfessionen. Auch wenn wir das Reformationsjubiläum des­halb nicht im eigentlichen Sinn feiern; vorbei können und wollen wir daran nicht gehen.

Ihr Martin Weber, Pfarrer

 

In den Predigten der Fastenzeit werden wir über Luther und die Ökumene nachdenken. Die Themen der Predigten können Sie in diesem „Kercheblättche“ nachlesen.

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