Silvester 2016  - Heusenstamm „Drei Kreuze schlagen, dass es vorbei ist……“

„Ich hab drei Kreuze geschlagen, als es vorbei war“-

Diesen Spruch, liebe Schwestern und Brüder, kennen Sie vielleicht auch.

„Drei Kreuze schlagen“ meint ganz einfach:  Gott sei Dank, dass das oder jenes vorbei ist! Es gibt nicht wenige die genau das zu diesem vergangenen Jahr 2016 sagen: Gott sei Dank, dass es vorbei ist!  In den Zeitungen war immer wieder von dem „annus horribilis“, dem schrecklichen Jahr die Rede. Für uns in Deutschland hat es begonnen mit den Ausschreitungen in Köln. Dort wurde zuerst der Dom regelrecht beschossen, bevor es dann zu den bekannten Vorfällen kam, bis hin zu dem Anschlag vor der Gedächtniskirche in Berlin am 16. Dezember, wo der islamistische Terror endgültig Deutschland erreicht hat.

Dazwischen dann das andere, das uns bedrängt hat. Terroranschläge in Brüssel und Nizza zeigen unsere Verwundbarkeit und sollen ein Klima der Angst implementieren. Die Briten haben sich aus der EU verabschiedet. Das hat uns und die Demoskopen total überrascht. In der Türkei gibt es einen seltsamen Putsch, der nur einem nützt und dieses Land immer nationalistischer und islamistischer macht. Amerika wählt einen Präsidenten, den viele in Europa für eine Witzfigur halten und der nun die wichtigste Nation des Westens anführt. In Syrien erreicht der Bürgerkrieg mit dem Sieg der Regierungstruppen in Aleppo einen Höhe – und vielleicht Wendepunkt. Viele erschrecken über die Art und Weise, wie in den sozialen Medien Fake News verbreitet werden und Manipulation betrieben wird.

Andererseits gibt es  auch hier kein schwarz und weiß: Die Ausschreitungen von Köln haben dazu geführt in der Flüchtlingspolitik realistischer zu sein und die rosarote Brille abzunehmen.  Die Briten verlassen die EU, aber nicht Europa. Es ist nicht gesagt, dass ihr Entschluss so katastrophal enden muss, wie man es uns gerne einredet. Dass Trump in Amerika gewählt wurde hat auch damit zu tun, dass Hilary Clinton,  die bei uns fast heiliggesprochen wurde, in den USA selbst höchst unbeliebt war. Abwarten- ist hier die Parole. Dass die Bombardierung Aleppos schrecklich war, steht außer Frage. Nur seltsam, dass so selten von den Terroristen die Rede war, die ganze Stadtteile mitsamt den Zivilisten in Geiselhaft genommen haben und erst, als es nicht mehr anders ging, weggegangen sind.

Ein Blick auf unsere Kirche:  Papst Franziskus hat vor einigen Tagen seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert.  Viele verehren diesen Papst als einen Protagonisten der Barmherzigkeit und schätzen seine unkonventionelle Art. Andere vermissen herzhafte Reformen und sind irritiert, wenn er etwa den Genderwahnsinn der westlichen Staaten beim Namen nennt.  Wieder andere bemängeln viele Worte und lehramtliche Unklarheiten. Dennoch ist und bleibt ein Papst immer das Symbol der Einheit der Kirche, daran wird er letztlich gemessen.

In unserem Bistum Mainz gab es durch die Emeritierung von Kardinal Lehmann eine tiefe Zäsur. Über 30 Jahre hat Karl Lehmann dieses Bistum geleitet. Sein Nachfolger wird in große Fußstapfen treten und ich befürchte, ihm stehen auch große, schwierige und unpopuläre Maßnahmen bevor, die in der Vergangenheit auf die lange Bank geschoben wurden. Das Gebet um einen guten neuen Bischof ist auch unter dieser Perspektive sehr wichtig.

Ein Blick in die heutige Zeitung hat erschreckt und geerdet zugleich: In Frankfurt leben gerade mal noch 40 %, Christen. Bundesweit sind es immerhin noch 60%. Die Zahl, die aber vielleicht noch mehr erschrickt: Nur 50% der nominell christlichen Eltern lassen ihre Kinder taufen.

Wenn wir schon bei den Zahlen sind, dann schauen wir doch mal noch Heusenstamm.  Froh sein können wir über einen guten Besuch der heiligen Messen. 700- 800 Menschen feiern durchschnittlich die 4 Gottesdienste innerhalb der Pfarrgruppe mit. Das ist eine beachtliche Zahl, über die wir froh sein können. 39 Kinder wurden in unseren Gemeinden getauft und es gab heuer einen großen Erstkommunion-Jahrgang mit 59 Jungen und Mädchen. Die Firmung wird seit einigen Jahren jährlich gespendet:  In diesem Jahr von dem neuen Weihbischof Dr. Udo Bentz, der 31 Jugendliche mit dem heiligen Chrisam salbte.  26 Brautpaare gaben sich in unseren Gemeinden das Ja Wort, darunter auch viele auswärtige, was damit zusammenhängt, dass St. Cäcilia eine beliebte Hochzeitskirche ist. 57 Menschen wurden zu Grabe getragen und die Zahl der Austritte ist leider hoch: 34 an der Zahl. Auch wenn es deutlich weniger sind, so freue ich mich, dass vier Personen wieder oder neu in die Kirche eingetreten sind.

Hinter all diesen Zahlen verbirgt sich ein reiches und differenziertes Gemeindeleben, das entscheidend auch von dem Engagement vieler Ehrenamtlicher lebt. Ihnen gilt in dieser Stunde ein besonderes Wort des Dankes. Ein Highlight für die Pfarrgruppe war sicher die Priesterweihe und Primiz von Christian Kaschub.  Viele waren im Mainzer Dom dabei, viele bei der Abholung und Festmesse am nächsten Tag und viele bei dem fröhlichen Fest hinterher.

Den dritten Blick nach Politik und Kirche, den können nur Sie selber tun. Den Blick auf Ihr eigenes Leben. Auch der wird sehr verschieden sein. Manchem fällt wenig ein. Für andere ist dieses Jahr mit besonderen Ereignissen verbunden, die sie im Guten oder im Bösen umgetrieben haben.

Über alles wollen wir drei Kreuze schlagen. Danke, für das Gute, das wir erfahren haben.  Danke, dass wir manche Nackenschläge dennoch überstanden haben. Danke für Menschen, die uns begleiten, die uns aber auch anvertraut sind. Danke für die Hoffnung und für den Glauben, die uns Kraft gegeben haben.

Über all das schlagen wir nachher auch im wortwörtlichen Sinn drei Kreuze. Die Silvestermesse endet ja immer mit dem großen eucharistischen Segen. Die gewandelte Hostie, Christus selber, wird in die Monstranz eingesetzt und dreimal segne ich alle die hier sind. Dreimal im Zeichen des Kreuzes. Dreimal im Namen unseres Herrn. Das heißt auch: Wir legen das Vergangene in seine Hände. Was die Zukunft bringt wissen wir nicht. Aber wir gehen in sie hinein im Vertrauen auf Den, der derselbe ist, gestern, heute und in Ewigkeit.     AMEN

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