Die Unterwerfung

So heißt ein Aufsehen erregendes Buch von Michael Houellebecq und so überschreibt Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer einen Bericht über die Reise der katholischen und evangelischen Bischöfe ins Heilige Land. Diese Reise sollte ein ökumenisches Zeichen anlässlich des kommenden Lutherjahres sein:

Katholiken und Protestanten gehen zurück zu den Wurzeln des gemeinsamen Glaubens. Dabei besuchten Kardinal Marx und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Bedford-Strohm auch den Tempelberg in Jerusalem. Ein Ort, auf dem der jüdische Tempel stand, auf dem Jesus gebetet hat, der auch ein heiliger Ort der Muslime ist, weil sie in ihm den Ort der Himmelfahrt Mohammeds verehren. Jan Fleischhauer fällt auf, dass die beiden höchsten Vertreter des Christentums bei ihrem Besuch kein Kreuz tragen, das sonst ganz selbstverständlich zu ihrem Ornat gehört. Und er erzählt die Geschichte dazu. Die muslimischen Autoritäten hatten die Bischöfe gebeten, das Symbol ihres Glaubens abzunehmen, als sie den Tempelberg betraten; und die beiden kamen dieser Aufforderung umstandslos nach. Später erklärten sie, aus „Respekt vor den Gastgebern“ gehandelt zu haben.

Als ich diese Episode gelesen habe, war ich sprachlos. Ich bin als Christ eingeladen, aber vorher soll ich das, was mich als Christ seit 2000 Jahren auszeichnet und unterscheidet ablegen, das Kreuz. Die natürlichste Reaktion wäre vermutlich:

Wenn ihr mich nicht so wollt, wie ich bin, dann kann ich auch gehen. Wo bleibt der Respekt vor dem Gast, der doch das erste Signum der Gastfreundschaft ist?

Die Demutsgeste der Bischöfe fällt in eine Zeit, in der die Christen in fast allen arabischen Ländern in höchster Bedrängnis und in manchen Ländern schon fast ausgelöscht sind. Viele von ihnen haben für ihren Glauben Opfer gebracht und Verfolgung erlitten.

Für mich persönlich, war es vor einigen Jahren beeindruckend zu sehen, dass sich die koptischen Christen in Ägypten das Kreuz auf die Handinnenfläche tätowieren lassen, um in einer mehrheitlich moslemischen Umgebung unübersehbar zu zeigen: Wir sind Christen und wir gehören zu Christus.

Was sollen sie und viele andere denken, wenn sie das Beispiel hoher christlicher Würdenträger sehen?

Ich möchte mit all diesen Worten, die persönliche Integrität und Frömmigkeit von Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm nicht in Frage stellen. Vermutlich glaubten sie – strategisch – politisch – diplomatisch – so handeln zu müssen.

Aber für mich ist hier dennoch eine rote Linie überschritten.

Wir feiern in diesen Tagen Christkönig, den Abschluss des alten Kirchenjahres, bevor mit dem Advent das neue beginnt. Die Liturgie der Kirche stellt uns den Kreuzeskönig vor Augen. Jesus unterwirft sich Kreuz und Leiden und besiegt sie zugleich.

Dem Schächer am Kreuz verheißt er:

„Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Ein königliches Wort und ein königliches Zeichen. Zu diesem König gehören wir und wenn wir uns unterwerfen sollten, dann nie vor Menschen, sondern nur vor Ihm. Dass uns daran gerade ein Spiegel-Autor erinnern muss, gehört zu den Sonderlichkeiten unserer Tage.     
Ihr Martin Weber,Pfarrer

So heißt ein Aufsehen erregendes Buch von Michael Houellebecq und so überschreibt Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer einen Bericht über die

Reise der katholischen und evangelischen Bischöfe ins Heilige Land. Diese Reise sollte ein ökumenisches Zeichen anlässlich des kommenden Lutherjahres sein: Katholiken und Protestanten gehen zurück zu den Wurzeln des gemeinsamen Glaubens. Dabei besuchten Kardinal Marx und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Bedford-Strohm auch den Tempelberg in Jerusalem. Ein Ort, auf dem der jüdische Tempel stand, auf dem Jesus gebetet hat, der auch ein heiliger Ort der Muslime ist, weil sie in ihm den Ort der Himmelfahrt Mohammeds verehren. Jan Fleischhauer fällt auf, dass die beiden höchsten Vertreter des Christentums bei ihrem Besuch kein Kreuz tragen, das sonst ganz selbstverständlich zu ihrem Ornat gehört. Und er erzählt die Geschichte dazu. Die muslimischen Autoritäten hatten die Bischöfe gebeten, das Symbol ihres Glaubens abzunehmen, als sie den Tempelberg betraten; und die beiden kamen dieser Aufforderung umstandslos nach. Später erklärten sie, aus „Respekt vor den Gastgebern“ gehandelt zu haben.

Als ich diese Episode gelesen habe, war ich sprachlos. Ich bin als Christ eingeladen, aber vorher soll ich das, was mich als Christ seit 2000 Jahren

auszeichnet und unterscheidet ablegen, das Kreuz. Die natürlichste Reaktion wäre vermutlich:

Wenn ihr mich nicht so wollt, wie ich bin, dann kann ich auch gehen. Wo bleibt der Respekt vor dem Gast, der doch das erste Signum der Gastfreundschaft ist?

Die Demutsgeste der Bischöfe fällt in eine Zeit, in der die Christen in fast allen arabischen Ländern in höchster Bedrängnis und in manchen Ländern schon fast ausgelöscht sind. Viele von ihnen haben für ihren Glauben Opfer gebracht und Verfolgung erlitten. Für mich persönlich, war es vor einigen Jahren beeindruckend zu sehen, dass sich die koptischen Christen in Ägypten das Kreuz auf die Handinnenfläche tätowieren lassen, um in einer mehrheitlich moslemischen Umgebung unübersehbar zu zeigen: Wir sind Christen und wir gehören zu Christus. Was sollen sie und viele andere denken, wenn sie das Beispiel hoher christlicher Würdenträger sehen?

Ich möchte mit all diesen Worten, die persönliche Integrität und Frömmigkeit von Kardinal Marx und

Landesbischof Bedford-Strohm nicht in Frage

stellen. Vermutlich glaubten sie – strategisch –

politisch – diplomatisch – so handeln zu müssen.

Aber für mich ist hier dennoch eine rote Linie

überschritten.

Wir feiern in diesen Tagen Christkönig, den Abschluss

des alten Kirchenjahres, bevor mit dem

Advent das neue beginnt. Die Liturgie der Kirche

stellt uns den Kreuzeskönig vor Augen. Jesus

unterwirft sich Kreuz und Leiden und besiegt sie

zugleich. Dem Schächer am Kreuz verheißt er:

„Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Ein

königliches Wort und ein königliches Zeichen. Zu

diesem König gehören wir und wenn wir uns unterwerfen

sollten, dann nie vor Menschen, sondern

nur vor Ihm.

Dass uns daran gerade ein Spiegel-Autor erinnern

muss, gehört zu den Sonderlichkeiten unserer

Tage.

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