Predigten im Heiligen Triduum

Ostern in einem Wort: Halleluja!

Ob evangelisch, orthodox oder katholisch: In der ganzen Christenheit lässt sich Ostern in ein Wort, das man eigentlich nicht sprechen, sondern nur singen kann, zusammenfassen: Halleluja! Unsere katholische Liturgie kennt das Halleluja in Dutzenden von Versionen, doch besonders feierlich ist das Osterhalleluja. Nach den Wochen der Fastenzeit wird es in dieser Nacht zum ersten Mal wieder gesungen. Und das ist einfach nur wunderbar.

Halleluja- dieses Wort  kommt aus dem Hebräischen und verbindet uns Christen auch mit den jüdischen Brüdern und Schwestern, die in diesen Tagen ihr Passahfest feiern. „Hallal“ bedeutet loben oder preisen und das angehängte „-ja“ ist eine Kurzfassung von Jahwe: daher kommt unser Halleluja!  Seit Christen Gottesdienst feiern hat das Halleluja seinen festen Platz.

Es ist eine Kurzformel für die Freude an Gott.  Diese Freude ist für uns Christen eine zutiefst österliche Freude. Ostern bedeutet, dass Christus den Tod überwindet und uns allen Hoffnung gibt! Das Wort der ersten Lesung der Osternacht aus dem Buch Genesis wird in der Auferstehung Jesu eingelöst und bestätigt: „Gott sah, dass alles gut war!“

Nach der Katastrophe des Karfreitags geschieht nämlich das Unerwartete: Der Gekreuzigte bleibt nicht im Tod, sondern geht in das Leben hinüber. Kein Wunder, dass die ersten Zeugen das gar nicht glauben können. Sie kommen ans Grab aus Gründen der Pietät, der Grab- und Totensorge. Das ist sehr menschlich, aber nichtsdestotrotz: Es ist ein Dienst an dem Toten. Und genau an dieser Stelle wirkt Gott das Große, dass eben nicht der der Tod, sondern das Leben das letzte Wort hat! Noch einmal, und auch wieder sehr menschlich: Die Jünger können das nicht fassen. Es übersteigt ihren, es übersteigt unseren Horizont.  Erst als der auferstandene Jesus selberseinen Jüngern begegnet, beginnen sie zu verstehen, was da geschehen ist. Dass jetzt wirklich „alles gut“ ist, dass dies ganz und gar die Tat Gottes ist. Dass dies ganz und gar der „Tag ist, den Gott gemacht hat“. Der neue Schöpfungstag, an dem das Leben Gottes triumphiert. All das mündet in das Halleluja dieser Nacht/ dieses Tages: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden!“

Joseph Ratzinger, der morgen/ heute seinen 90. Geburtstag feiert, hat als Bischof von München einmal das Singen des Hallelujas mit dem Jodeln verglichen. Uns Flachlandtirolern mag dieser Vergleich beim ersten Hören sehr befremdlich erscheinen, aber es lohnt sich ihm zuzuhören. Jodeln, so Ratzinger, sei das wortlose Ausströmen einer Freude, die zu groß ist, um sie in Worte zu fassen.  Ähnlich sei das beim Halleluja. Und die Geschöpfe Gottes, die das am meisten repräsentierten seien die Engel: „Wenn von den Engeln gesagt wird, dass sie das Halleluja singen, soll das einfach ein Bild dafür sein, dass ihr ganzes Wesen von Freude durchdrungen ist“.

Mit dem österlichen Halleluja stimmen wir also ein in den Gesang der Engel und der ganzen Schöpfung, die dem Gott des Lebens die Ehre geben.

Manchmal singen wir das Halleluja aber auch stellvertretend. Stellvertretend für Menschen, denen der Jubel regelrecht im Halse stecken bleibt – weil Sorgen oder Nöte, Schmerz und Trauer sie allzu sehr bedrücken. Hier mitten unter uns, wie an allen Ecken und Enden der Welt.

So ging es vor 250 Jahren auch Georg Friedrich Händel. Stefan Zweig hat das in seinen berühmten „Sternstunden der Menschheit“ beschrieben. Der berühmte Komponist ist am Ende: finanziell, gesundheitlich, psychisch. Düstere Gedanke und Todessehnsüchte beherrschen sein Denken und Empfinden. In dieser Situation bekommt er ein Paket, ein Bündel beschriebener Blätter. Es stammt von Charles Chennens, dem Dichter, der ihm so manche Oper, so manches Oratorium geschrieben hat. Der Titel der Blätter war „Der Messias“. Widerwillig nahm er die Blätter zur Hand. Doch schon die ersten Zeilen elektrisierten ihn: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Und plötzlich ist wieder Musik in seinen Ohren und in seinem Herz. Wie in Trance vertont Händel dieses gewaltige Werk in 22 Tagen: Tag und Nacht hat er gearbeitet.

Der Titel aber, den die meisten Menschen auf der Welt kennen und lieben, ist Händels gewaltiges Halleluja! Es ist wie ein Reflex jener Befreiung, ja man könnte fast sagen, jener „Auferstehung“, die der Komponist selber am eigenen Leib erfahren hat. Sein Herz und sein Inneres, das vorher verkrampft, ängstlich und düster war, sind wieder weit geworden. Wieder bereit zum Gotteslob, zum Halleluja.

Ich bin mir sicher, auch manche unter uns könnten Ähnliches erzählen. Wie sie nach Enttäuschung, Trennung, Verbitterung, Trauer und Krankheit wieder ins Leben zurückgekehrt sind, wie ihr Herz wieder weit wurde und Raum für Freude und Dankbarkeit da war. Und für ein ganz persönliches Halleluja. Vielleicht nicht so bombastisch wie das von Händel, aber genauso authentisch.

Halleluja - lobt Gott, der uns ermutigt zum Leben- schon jetzt!

Halleluja – lobt Gott, der Jesus von den Toten auferweckt hat!

Halleluja – lobt Gott, der uns allen ewiges Leben schenken will!

……leises und lauter werdendes Einspielen des Hallelujas von Taizé´

Amen

Das Heil der Welt

Liebe Schwestern und Brüder, 
immer wieder gibt es um den Karfreitag herum so ein paar alberne Rituale. So hat vor ein paar Jahren die Grüne Jugend Hessen  zum gemeinsamen Tanzen auf dem Römerberg aufgefordert, um gegen das Tanzverbot an diesen Tagen zu protestieren. Und in diesem Jahr lädt die Humanistische Union München ein zur Heidenspaßparty am Karfreitag.  9 sogenannte stille Tage sind diesen Leuten unerträglich, sie wollen an 365 Tagen im Jahr tanzen dürfen. Warum nicht, könnte man sagen, dann sollen sie aber auch an 365 Tagen arbeiten können. Sonntagsschutz und Feiertage: alte christliche Relikte, weg damit.  Das wollen unsere (heidnischen) Helden aber wohl nicht: Sie wollen die Feiertage, aber kein Christentum mehr und wenn, dann nur noch versteckt und nicht mehr in der Öffentlichkeit.

In eine ähnliche Richtung geht es, wenn einer evangelischen Lehrerin in diesen Tagen in Berlin gerichtlich verboten wird an der Schule ein dezentes Halskreuz zu tragen. Frank Pröse, Chefredakteur der Offenbach Post nutzt dieses Urteil, um in einem Kommentar zu fordern, alle Religion aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Auch aus der Schule: das hätte schließlich mit Bildung und Aufklärung nichts zu tun. Ganz abgesehen davon, dass unser Grundgesetz keine absolute Trennung, sondern das Modell der Kooperation von Staat und Religion kennt: Wie bodenlos ist das? Natürlich gehört Religion mit hinein in Bildung und Kultur, oder umgekehrt: Bildung und Kultur in unserem Land in Europa sind ganz wesentlich vom Christentum her geprägt.

Karfreitag ruft uns Christen auf, uns zum Kreuz zu bekennen. Nachher wird das sehr deutlich, in der Kreuzverehrung, wenn wir nach vorne kommen und Jesus mit einer Kniebeuge ehren. Nehmen Sie sich Zeit dazu. Schauen Sie zum Kreuz hin. Dort hängt unser Erlöser. Der, der uns bis zum Ende geliebt und uns durch diese Liebe das Tor zum ewigen Leben geöffnet hat. Geben Sie diesem Symbol aber auch einen Platz in ihrem Haus. Durch ein Kruzifix, ein Kreuz an einem Platz, wo man es sieht. Unser Glaube muss sichtbar sein. Deshalb freut es mich, dass auch unsere Wegkreuze in Heusenstamm wieder – fast zumindest – in altem Glanz erstrahlen, nachdem sie vorher von Vandalen verschandelt wurden.  Sie sind ein Zeichen, dass Generationen vor uns geglaubt haben, sie sind Zeichen dafür, dass das Christentum auch heute lebt.

Vor einer Woche hat der Islamische Staat in zwei Kirchen in Ägypten Gläubige beim Palmsonntagsgottesdienst in die Luft gesprengt. Dutzende von Toten und zerfetzte Körper, verletzte und traumatisierte Menschen waren die Opfer der feigen Anschläge. Die Koptische Kirche in Ägypten ist eine Märtyrerkirche. Sehr viele koptische Christen lassen sich ein Kreuz auf den Handrücken tätowieren. Sie gehören zum gekreuzigten Herrn, das wollen sie bekennen. In aller Öffentlichkeit, auch wenn das in einer überwiegend islamischen Umgebung gerade in diesen Zeiten großen Mut erfordert.

Doch bei aller Eindeutigkeit. Der Karfreitag ist kein einfacher Tag.Nicht einfach ein trotziger Bekenntnistag. An diesem Tag stirbt nicht nur ein Mensch, der von sich sagte, dass er von Gott kommt und Gott ist. An diesem Tag sterben auch viele unserer Gottesbilder. Ob wir wollen oder nicht, wir stellen uns Gott immer makellos, perfekt und natürlich allmächtig vor. Das hat seine Logik. Hier aber haben wir einen Schmerzensmann vor uns, der hilflos angenagelt ist zwischen Himmel und Erde.  Wie passt das alles zusammen mit dem allmächtigen Gott. Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß und ahne: Nur so ein Gott ist für mich glaubwürdig in all dem millionenfachen Leid, das gestern war, das heute ist und das morgen sein wird.

Eli Wiesel, ein Überlebender von Auschwitz, beschreibt in seinen Erinnerungen eine schreckliche Begebenheit:

„Eines Tages flog die Elektrozentrale von Buna in die Luft. Die Gestapo suchte die Schuldigen in einer Baracke. Man wurde fündig und zur Abschreckung wurden drei Gefangene an den Galgen gehängt: zwei Erwachsene und einen jungen Burschen, der fast noch ein Kind war.  Die Gefangenen mussten an den Gehängten mehrere Male vorbeimarschieren. Die beiden Erwachsenen lebten bald nicht mehr. Aber der dritte Strick bewegte sich noch. Der leichte Knabe starb nicht so leicht. Mehr als eine halbe Stunde kämpfte der Junge um sein Leben. Jemand fragte, immer und immer wieder: Wo ist Gott?  Und – so Eli Wiesel: Ich hörte eine Stimme in mir antworten:  Wo er ist? Dort – dort hängt er, am Galgen!“

Auch dazu bekennen wir uns am Karfreitag. Dass Gott in Jesus im tiefsten Leid gegenwärtig ist. Sich nicht davonstiehlt. Sondern mitleidet, sich darauf regelrecht festnageln lässt. Auch wir fragen oft: „Wo ist Gott?“ Im Sterben eines Kindes, im Krebstod eines lieben Menschen, in Syrien und im Sudan. In dem, was vielleicht mir einmal zugemutet wird, was jetzt noch niemand von uns weiß. Wo ist Gott?

Dort hängt er – am Galgen! Oder wie wir es nachher bei der Kreuzverehrung bekennen: Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt!     
Amen.

Begreifen und berühren

Liebe Schwestern und Brüder,
eine ganz und gar ungewöhnliche Messe ist es, die wir heute feiern. An ein paar Einzelheiten wird das deutlich:

- Wir fangen an mit Pauken und Trompeten, mit Orgel und Gloria und enden in Stille, ohne Segen, die Altäre werden entblößt

- Die Wandlungsglocken werden in dieser ersetzt durch die Kleppern, die gar nicht mehr schön, höchstens laut  klingen. Und auch die Kirchenglocken schweigen von jetzt an  bis Ostern.

- Nach der Messe sind bis in die Nacht hinein Gebetsstunden und stille Anbetung.

- Zwei ganz gegensätzliche Motive und Stimmungen sind heute Abend da: zum einen die Freude über das Geschenk der Eucharistie, das Jesus uns macht. Und zum anderen der Abschied und der Beginn der Leidenszeit des Herrn.

Vor allem aber stehen  über der Feier dieses Gründonnerstags ein Beispiel und eine Frage. Das Beispiel  ist die Fußwaschung: Jesus, der Herr, der von Gott kommt und zu Gott zurück kehrt, bückt sich vor seinen Jüngern und wäscht ihnen die Füße. Und am Ende fragt er sie: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe“? Diese Frage stellt er auch uns: Begreift ihr?

Begreift ihr, liebe Kommunionkinder, dass ihr in wenigen Wochen zum ersten Mal Jesus in der Kommunion empfangen dürft?
Begreift ihr, liebe Messdiener, dass ihr einen ganz besonderen Dienst tut: Ihr dient dem höchsten Herrn, ihr dient Gott selbst.
Begreift ihr, liebe Christen, dass die Eucharistie das besondere Geschenk des Herrn ist, viel mehr als ein Stück Brot, sondern sein geopferter Leib. Weil die Messe die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi ist! 
Begreifst du, lieber Pfarrer, dass du in diesem Moment  Werkzeug bist und Den vertrittst, der der Herr dieses Opfermahles bist und dass du dafür, vor allem dafür geweiht bist, weil du an seiner Stelle handeln darfst.

Doch das Begreifen, das Jesus meint ist nicht bloß eines, das unseren Kopf und  unseren Verstand erreicht. Aber deshalb auch bloß hier oben bleibt und nicht den ganzen Menschen durchdringt.  Bevor er den Jüngern diese Frage stellt, tut er nämlich etwas an ihnen, berührt er sie. Und sie müssen sich berühren lassen. Am Anfang wehren sie sich: “Du willst uns die Füße waschen?“ Aber Jesus beharrt darauf: „Wenn ich euch nicht wasche, habt ihr keinen Anteil an mir!“

Im Grunde ist das ganz menschlich: Auch ein Kind wird erst begreifen, was Liebe ist, wenn die Mutter oder der Vater ihm über den Kopf streicheln oder es in die Arme nehmen. Und zwei Liebende vergessen niemals ihre erste Berührung, ihren ersten Kuss!

So kommt es auch im Glauben darauf an: Sich von Jesus berühren lassen. Wie das geschieht, kann ganz verschieden sein. Durch eine Melodie, ein Gebet, ein Wort, ein Zeichen. Denn  nur wer berührt ist, der wird auch begreifen! Das Begreifen, das  Jesus anspricht,  betrifft nicht nur unseren Kopf, es meint den ganzen Menschen.

„Begreift ihr, was ich an Euch getan habe?“ 
Diese Frage wird uns durch unser ganzes Christenleben hindurch begleiten. Eine perfekte Antwort ist nicht gefragt. Aber die Bereitschaft, sich immer wieder von Jesus berühren zu lassen und aus dieser Begegnung heraus zu leben.
Amen

Liebe Schwestern und Brüder,

ein kraftvolles Bekenntnis zur Auferstehung sieht anders aus als das, was uns da im Evangelium berichtet wird. Die Apostel halten das, was die Frauen erzählen lediglich für Geschwätz. Petrus läuft zwar zum leeren Grab, aber er geht von dort nicht überzeugt, allerhöchstens verwundert  und verwirrt nach Hause. Wie sollte es auch anders sein? Dass ein Mensch von den Toten aufersteht sprengt unsere menschliche Vorstellungskraft. Das sprengt auch die Vorstellungskraft der Jünger. Erst als Jesus ihnen als der Auferstandene selbst  begegnet, können sie glauben und werden zu Glaubenszeugen, die für diese Botschaft sogar ihr Leben hingeben.

Das was die Jünger erlebt haben, spiegelt sich auch in der Liturgie dieser Osternacht. Sie beginnt nicht triumphalistisch, sondern mit dem einen Licht der Osterkerze. Erst nach und nach erhellt sich die Kirche und wird zum Festsaal. Ganz wichtig: Das Osterlicht entzünden wir nicht selbst, es ist geschenktes und anvertrautes Licht; es will geteilt werden und muss wachsen.

Wachsen muss auch das Verständnis, wie Gott zu uns Menschen ist. Die Lesungen dieser Nacht führen uns immer tiefer hinein in dieses Verstehen. Dass Gott, ein Gott des Lebens ist. Der die Welt als seine gute Schöpfung ins Dasein gerufen hat. Der sich offenbart hat als der treue und rettende Gott in der Geschichte des Volkes Israel. Der uns am Ende seinen Sohn gesandt hat, aus Liebe. Und in der  Auferweckung Jesu  sich endgültig als der Gott des Lebens erweist.

Auch unser Glaube an die Auferstehung muss wachsen, reifen, sich bewähren.  Er ist kein einfacher Halleluja- Glaube. Der Karfreitag gehört dazu. Nur wer auch eine Antwort auf das Leid geben kann, dessen Rede von der Auferstehung ist glaubhaft. In diesen Tagen hat man an vielen Orten noch einmal an den Absturz des German Wings Flugzeuges erinnert. Ziemlich genau vor einem Jahr hat der Copilot des Flugzeuges es gezielt über den französischen Alpen abstürzen lassen. In diesen Tagen wurden viele Angehörige gefragt, wie sie mit der Trauer umgehen. Einige haben darüber den Glauben an einen guten Gott verloren. Andere können in der Kirche das „Vater Unser“ nur noch zum Teil mitsprechen. Dem Piloten zu vergeben, wie es in dem „wie auch wir vergeben unseren  Schuldigern“  anklingt, scheint ihnen unmöglich. Ein erstaunlich großer Teil der Menschen sucht Trost im Glauben. Eine Mutter, die ihre 15- jährige Tochter verloren hat, sagte: „Die christliche Hoffnung  gibt uns Halt. Unser größter Wunsch ist sicherlich, dass wir sie wiedersehen. Das ist das, was uns sehr viel Kraft gibt. Das können Sie auch gerne schreiben, weil ich denke, dass es wichtig ist, dass man auch so etwas vermittelt, das nämlich der Glaube auch eine Quelle der Kraft ist.“  Diese Aussage, vor kurzem in der Offenbach Post abgedruckt, hat mich beeindruckt. Der Glaube dieser Mutter war gewiss auch angefochten. Aber das Licht der österlichen Hoffnung ist stärker. Der Glaube an den Gott des Lebens gibt Halt und Kraft.

Liebe Mitchristen, aus der der Verwunderung des Petrus ist ein echter Osterglaube geworden. Von dem einen Licht der Osterkerze ist das ganze Gotteshaus erhellt worden. So wünsche ich Ihnen, dass auch Ihr Osterglaube wächst und Ihr Leben hell macht.  Denn: Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden.

Halleluja!    

Liebe Schwestern und Brüder,

in einem Baumarkt kann man durchaus Überraschungen erleben.  Etwa wenn man in der Gartenabteilung plötzlich ein Heer von Buddhafiguren in allen Größen und Preislagen entdeckt. Kleine Buddhas ab 14,95 bis zu ganz großen für mehrere hundert Euro. Schon vorher waren mir solche Figuren aufgefallen, in Privathäusern und Wellnessoasen – und jetzt eben auch im Baumarkt. Manche meinen, dass sei nur der Ersatz für die Gartenzwerge, aber ich denke, da ist noch ein Tick mehr dabei. Buddhas sind gefällig, sie strahlen innere Ruhe, Ausgeglichenheit und Frieden aus. Alles Dinge, nach denen wir uns in dieser hektischen Welt sehnen. Und dann ist das Fernöstliche „in“;  der Buddhismus gilt als hippe Religion ohne hinderliche Glaubenssätze und im Zeitalter postmoderner Beliebigkeit ist das Ganze eh kein Problem.

„Buddha“ ist nicht nur der Ehrenname des indischen Religionsstifters Siddartha Gautama, auf dessen Lehren sich der Buddhismus beruft. „Buddha“ bedeutet ganz allgemein „Erwachter“: ein Buddha ist ein Mensch, der ein Erwachen erfahren hat. Einer der aus eigener Kraft die Reinheit und Vollkommenheit seines Geistes erreicht. Und das geschieht vor allem durch Meditation. Durch dieses Erwachen kann ein Mensch all seine Potentiale entfalten. Und wer zum Buddha, zum Erwachten geworden ist, der ist nicht mehr an den Kreislauf der Wiedergeburten, der Reinkarnation gebunden. Nur wenigen gelingt das – durch starke Willenskraft und Meditation. Die überwiegende Mehrheit der Menschen muss allerdings  immer wiedergeboren werden – und das ist keine Verheißung, sondern bedeutet Leiden.

Ich glaube kaum, dass das der Mehrheit der stolzen Buddhabesitzer bewusst ist. Und dann kam mir noch ein anderer Gedanke:  Können Sie sich vorstellen, liebe Schwestern und Brüder, dass in der Gartenabteilung des besagten Baumarktes statt Buddhafiguren Kreuze in allen Größen und Preislagen stehen würden? Wohl kaum. Im Gegenteil. Das Kreuz hat es schwer in unseren Tagen. Aus den meisten öffentlichen Gebäuden ist es entfernt. Aus vielen Häusern, auch von solchen, die sich Christen nennen, ist es verschwunden. Vor kurzem gab es in einem Kindergarten eine Diskussion, ob man das Kreuz Kindern überhaupt zumuten darf. Und das ist auch kein Zufall: Kreuze sind in der Tat mehr als fromme Dekoration. Sie verunsichern, beunruhigen und provozieren. Kreuze verletzen unser Lebensgefühl. Von Leid, Schmerz und Tod wollen wir am liebsten nichts hören. Und doch: Das Kreuz bleibt das Zeichen des Christentums, an ihm kommen wir nicht vorbei!

Das ist deshalb so, weil das Kreuz für uns Christen mehr ist als ein schreckliches Marterwerkzeug, an dem Jesus hingerichtet wurde. Vielmehr ist es ein Zeichen des Heiles und der Erlösung. Am Kreuz tritt Gott mitten hinein in das menschliche Leiden und überwindet es so. In seinem Sterben überwindet er den Tod. Und vom Kreuz herab ruft Jesus mir zu: „Deine Erlösung hat schon stattgefunden; du kannst und brauchst dich nicht selbst zu erlösen. ICH hab´s für dich getan!“

Wir, liebe Schwestern und Brüder, können und brauchen uns „nur“ unter das Kreuz zu stellen. Mit unseren Sorgen, mit unseren Verwundungen, mit unserer Einsamkeit, mit den Schmerzen des Körpers.  Wir stehen auch als Kirche unter dem Kreuz: mit all den Problemen, die es da gibt, mit dem Fehlverhalten von Priestern und Bischöfen, mit der Unfähigkeit den Glauben so weiter zu geben, dass er begeistert, mit so vielem, was uns belastet.

Es ist gut, wenn wir auch im Christentum Lehrer der Meditation haben. Wenn Menschen ein geistliches, ein inneres Leben mit Gott entfalten und gestalten. Aber im Grunde steht jeder Christ  - und da ist unsere Religion radikal egalitär - unter dem Kreuz und darf hinschauen auf Den, der uns gerade so erlöst und befreit hat. „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung“ - Amen

Liebe Schwestern und Brüder!

Einen schönen Namen trägt dieser Tag: der Gründonnerstag. Und von daher gab es bei uns zuhause an diesem Tag zum Mittagessen immer: Spinat mit Kartoffeln und Spiegeleiern. Bei mir hat sich das bis heute gehalten: natürlich gab`s auch  heute Mittag Spinat. Gründonnerstag halt. Aber die gute Nachricht für alle, die Spinat gar nicht mögen: Er ist nicht heilsnotwendig. Das „Grün“ des Gründonnerstags hat nämlich eine andere Bedeutung. Es kommt vom althochdeutschen: „grienen“ – und darin erkennt man unschwer das Wort „weinen“. Und da kommt man der Bedeutung des Tages schon näher: Es ist der Tag, wo Jesus zum letzten Mal mit seinen Jüngern zusammen ist, bevor er leiden und sterben muss. Da gab es damals sicher so manche Tränen – und die können einem auch heute kommen, wenn man darauf schaut, was dieser Mensch Jesus von Nazareth alles erleiden musste: Verrat, Verlassenheit, Todesangst und schließlich den Tod am Kreuz.

Die Tränen trüben allerdings den Blick Jesu nicht. Im Gegenteil. Wo er zum letzten Mal mit seinen Jüngern zusammen ist, gibt er ihnen ein Beispiel. Er wäscht seinen Jüngern die Füße. Ein Sklavendienst. Und Petrus, der sich dagegen wehrt, dem sagt er: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keine echte Gemeinschaft mit mir. Diese Szene im Abendmahlssaal ist von höchster Dramatik. Denn das ist mehr, als dass ein guter Mensch seinen Freunden die Füße wäscht. Johannes, von dem dieses Evangelium stammt, ist der, der am meisten über die Göttlichkeit Jesu spricht. Am Beginn seines Evangeliums steht der Satz: „Und das Wort ist Fleisch geworden“, das heißt: Gott ist Mensch geworden. Und vorhin hat es geheißen: „Jesus, der wusste, dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte…..“ Und dieser Mensch-gewordene Gottessohn bückt sich und wäscht den Jüngern die Füße! „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ fragt er sie anschließend, der in die Knie gegangene Gott! Das heißt doch: Ihr seid geliebt und ihr könnt lieben. Ihr könnt und sollt fortan Zeugen der Barmherzigkeit Gottes sein. Das ist das Vermächtnis dieses Tages, denn auch jeden von uns fragt Jesus: „Begreift Ihr, was ich da getan habe?“

Liebe Kommunionkinder, für euch und für mich hat dieser Gründonnerstag aber noch eine zusätzliche Bedeutung. Ihr geht bald zur ersten heiligen Kommunion. Zum ersten Mal dürft ihr dann Jesus in der heiligen, gewandelten Hostie empfangen. Das hat seinen Grund im Letzten Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat. Und da hat er ihnen versprochen: Auch wenn ich euch verlasse, werde ich dennoch immer bei euch sein. Immer wenn ihr zu meinem Gedächtnis zusammen seid und die heilige Messe feiert, schenke ich euch meine Gegenwart. Nicht weil ihr euch erinnert, sondern weil ich bei euch sein will, verborgen unter Brot und Wein. Da bin ich bei euch mit Leib und Blut, mit meiner ganzen Person, mit meiner Liebe.Das allerdings können wir nicht  mit unserem Verstand, mit unserem Kopf begreifen, sondern nur mit dem Herzen.

Und auch für mich ist der Gründonnerstag ein besonderer Tag: Da hat Jesus seine Apostel beauftragt. „Tut das immer wieder zu meinem Gedächtnis!“  Seit 2000 Jahren wird das in unseren Gottesdiensten getan. Dazu wurde auch ich zum Priester geweiht: um Eucharistie zu feiern und Den zu vertreten, der doch allein sagen kann: „Das ist mein Leib. Das ist mein Blut.“  An jedem Gründonnerstag danke ich Gott  für die Berufung zum Priestertum.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kommunionkinder,

mit dem Spinat hat der Gründonnerstag also nichts zu tun. Schon eher mit dem Weinen, wie ich es am Anfang erklärt haben. Aber auch das steht nicht im Vordergrund. Deshalb ist die Farbe des Messgewandes am Gründonnerstag weiß. Die Farbe der Freude und des Festes. Denn Jesus hat uns an diesem Tag so Kostbares geschenkt: Die heilige Messe und das Priestertum. Und er hat uns ein Beispiel gegeben, das uns zeigt: Wir sind geliebt und dürfen lieben.    AMEN

Scroll to top