Konfessionen - Nur ein Eintrag auf der Lohnsteuerkarte oder mehr?

Liebe Schwestern und Brüder,

an Luther und dem 500 jährigen Reformationsjubiläum in diesem Jahr 2017 können wir auch als Katholiken nicht achtlos vorüber gehen. Deshalb geht es in den Predigten der nächsten Sonntage genau um dieses Thema und um die Ökumene überhaupt.

Zum Einstieg habe ich mir ein Thema gewählt, das ich in der Vorankündigung der Predigtreihe so überschrieben habe: „Konfessionen“ – nur ein Eintrag auf der Lohnsteuerkarte oder mehr?

Ganz davon abgesehen, dass es heutzutage gar keine Lohnsteuerkarten mehr gibt: Da fällt es vielen Leuten auf: Moment, ich bin ja rk, römisch- katholisch oder ev, evangelisch, weil damit dann auch Kirchensteuer abgezogen wird. Da spricht man noch selbstverständlich von den Konfessionen. Oder wenn jemand in einer kirchlichen Kita oder bei der Caritas arbeiten will, dann muss er einer der christlichen Konfessionen angehören. Ein weiterer Punkt, wo das ins Gespräch kommt, ist der Religionsunterricht. Das Grundgesetz schützt ausdrücklich den konfessionellen Religionsunterricht, also katholisch oder evangelisch. Jahrzehntelang war das auch kein Problem, doch gehen Sie heute einmal nach Offenbach in Schulen, in denen christliche Kinder längst eine Minderheit sind und wo es rein aus Zahlengründen kaum noch möglich ist evangelischen und katholischen Unterricht anzubieten, sondern allerhöchstens einen gemeinsamen. Eine spannende Frage, rechtlich aber auch so, wie das sich weiter entwickelt.

In all diesen Feldern spricht man noch von den Konfessionen. Aber fragen Sie mal einen Durchschnittsbürger oder einen jungen Menschen, was das bedeutet. Da werden Sie kaum noch eine Antwort bekommen. Aber vielleicht weniger aus Ignoranz, sondern viel eher aus dem Gefühl heraus: Konfessionen trennen, Christ- sein reicht doch völlig aus. Und tatsächlich: Geschichtlich gesehen kommt der Begriff der Konfession aus der Zeit der Glaubensspaltung. Nachdem sich herauskristallisiert hat hatte, dass die evangelischen Reichsstände einen eigen Weg außerhalb der römischen Kirche gehen würden, haben sie, als eine Art Standortbestimmung, sogenannte „Konfessionen“, Bekenntnisschriften erstellt. Für die protestantische Kirche ist das sog. „Augsburger Bekenntnis“ das bekannteste und folgenreichste. Auf katholischer Seite gibt es etwas Vergleichbares nicht, zum Bekenntnis gehören hier natürlich die Glaubensbekenntnisse und das, was die Kirche durch die Jahrhunderte gelehrt hat. Nach der Reformation kam auch die Abgrenzung zu den neuen Lehren dazu.

Heute versteht man unter Konfessionen schlicht die Untergruppen innerhalb der christlichen Religion oder noch einfacher: Die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft. Von ihrem Selbstverständnis würden katholische oder orthodoxe Christen diesen Begriff aber kaum für sich selbst verwenden. Sie würden eher davon sprechen, dass sie zur „Kirche“ gehören.

Mir ist der Ausdruck der Konfession dennoch sympathisch. Konfession kann man wörtlich mit „Bekenntnis“ übersetzen. Interessanterweise ist das in den romanischen Sprachen durchweg der Begriff für die Beichte: Bekenntnis. Egal wie: Es gibt kein Christentum ohne Bekenntnis. In der Beichte, aber vor allem im Bekenntnis zum Glauben. Der Glaube muss sichtbar werden! Das ist mehr als das Aufsagen von Glaubensbekenntnissen. Wenn Menschen sich zu ihrem Glauben bekennen, dann ist das nie abstrakt. Dann geschieht das immer innerhalb einer bestimmten Gemeinschaft und Geschichte. Man könnte auch sagen innerhalb einer bestimmten Tradition. Und da ist katholisch anders als evangelisch und orthodox erst recht anders als freikirchlich.  Ein bisschen sind Konfessionen wie Familien: alle sind verschieden, aber allen geht es um Ähnliches: in unserem Fall: um das Evangelium, um Christus, um Gott.

Ich liebe meine Konfession und dazu gehören die Messe und die Sakramente, Maria und der Rosenkranz, Weihrauch und die Heiligen, der Papst und Barock, das Weihwasser und das Knien, die Anbetung und das Allerheiligste. Wenn Sie diese Aufzählung hören merken Sie, dass sie alles andere als systematisch ist, sondern assoziativ. – Mitglieder anderer Konfessionen würden das vielleicht auf eine ähnliche Art und Weise für ihre Glaubensgemeinschaft tun.

Was mich in diesem Zusammenhang nervt ist eine bestimmte Form von Kuschelökume , die auf ihre Fahnen geschrieben hat: Unterschiede, die ja bestehen, etwa im Verständnis der Eucharistie, bloß nicht laut aussprechen, katholisch oder evangelisch oder sonst: ist doch alles egal; oder: Wenn wir nur lieb zueinander sind, wird alles wieder gut. Hier gilt für mich wie im richtigen Leben: Unterschiede muss man aushalten können und ich verwahre mich gegen einseitige Vereinnahmungen oder Umarmungen.

Insofern habe ich für mich eine Antwort auf die Frage des Anfangs gefunden:  Die Konfession ist für mich mehr als der Eintrag auf der Lohnsteuerkarte. Ich bin gern und von Herzen katholisch und möchte es auch bleiben. Ich betrachte mit Respekt und Sympathie andere „Familien“ und ihr Bekenntnisse und weiß, dass uns mehr verbindet, als trennt. Gott sei Dank ist uns das heute viel mehr bewusst als früher. Gott sei Dank sind alte Feindseligkeiten überwunden. Aber dennoch ist das Katholische mein Weg, in der Freundschaft mit Christus zu leben.   Amen

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