Der erste Hirtenbrief

Unser neuer Bischof Dr. Peter Kohlgraf hat sei­nen ersten Hirtenbrief geschrieben:

„Teilen ler­nen, beten lernen, demütig werden – der Hl. Martin als Begleiter für das Bistum Mainz.“

An der Hand unseres Diözesanpatrons skizziert er, wie die Kirche in unserem Bistum in den nächsten Jahren aufgestellt sein soll.

Zum einen lehrt der Hl. Martin eine Kirche des Teilens. Unser Bischof schreibt:

„Die Erzählun­gen über den Hl. Martin sind nicht nur freundli­che Geschichten. Sie zeigen einen Menschen, dem das Evangelium in Fleisch und Blut überge­gangen ist. Für unsere Zukunft stelle ich mir eine Idee von Seelsorge vor, die das Evangelium zur Grundlage nimmt und auf die Not der Zeit und der einzelnen Menschen antwortet.

An erster Stelle kann dann nicht mehr die Frage stehen, wie wir Bestehendes erhalten, sondern wie wir das, was wir haben, für andere Menschen ein­setzen können. Das ist ein grundsätzlicher Haltungswechsel. ... Martin teilt jedoch nicht nur materiell. Er teilt seine Zeit, sein Leben, seine Aufmerksamkeit. Und er teilt seinen Glauben. Neben den vielen diakonischen Feldern müssen wir eine neue Freude und Begeisterung für das Teilen des Glaubens entwickeln.“

An zweiter Stelle ruft Bischof Kohlgraf dazu auf, mit dem Hl. Martin eine „Kirche des Betens“ zu werden:

„Martin gründete Klöster, in denen Menschen lebten, die sich von seiner Liebe zum Gebet anstecken lassen. Aus dem Gebet heraus entsteht die Mission, die Sendung in die Welt. Für Martin ist die Liturgie und das persönliche Beten eine unverzichtbare Quelle. Wenn wir uns auf neue Wege im Bistum begeben, dann geht es nicht darum, immer noch mehr und mehr zu tun. Unser Handeln wird dann sinnvoll, wenn es aus dem Vertrauen aus Gott kommt, aus seinen Quellen ... Der Hl. Martin ermutigt uns heute, nach einer Frömmigkeit zu suchen, die sich in der Welt bewährt, die auch intellektuell aus­kunftsfähig bleibt.“

Und schließlich der dritte Punkt: Mit dem Hl. Martin eine „demütige Kirche“ werden:

„Die Legende berichtet, wie sich Martin sträubt, Bischof zu werden. Er muss bei vielen seinen Mitbrüdern erleben, wie sie sich über die Macht definieren. ... Wir werden in der Kirche anerkennen müssen, dass wir an pastoraler Macht über Menschen und auch politischem Einfluss verlieren. ... Der einzige Weg besteht heute darin, mit Argumenten zu überzeugen und die Gewissen bilden zu helfen; und er besteht darin, Menschen in den unterschiedlichen Situationen Unterstützung und Begleitung anzubieten, die ihrer Situation und dem Evangelium gleichermaßen gerecht werden.“

In einfachen Worten beschreibt Bischof Kohlgraf seine „Vision“ von Kirche im 21. Jahrhundert.

Er wird sie nicht allein verwirklichen können. Ma­chen wir uns mit ihm auf den Weg! Einen guten Begleiter haben wir dabei: Den Hl. Martin.

Ihr Martin Weber,
Pfarrer

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