„Werft die Netze aus!“

Mit diesem Wort sind wir mitten drin im Ostergeschehen. Der auferstandene Jesus kommt zu seinen Jüngern, die schon wieder in ihrem Alltag sind; am See Genezareth beim Fischen. Doch in dieser Nacht haben sie weder Glück noch Erfolg. Ihr Fang ist mehr als bescheiden. Da sagt Jesus ihnen: „Werft noch einmal die Netze aus!“ Und das, obwohl sie vorher so lange schon erfolglos gearbeitet haben. Obwohl sie wissen, dass am Tag die Aussichten beim Fischen gering sind. Wieder einmal ist es Petrus - der Petrus, der Jesus noch vor einigen Tagen verleugnet und es so ehrlich bereut hat - der die Antwort gibt: „Auf Dein Wort hin wollen wir noch einmal die Netze auswerfen!“

Am Ende bringen sie so viele Fische mit nach Hause, dass ihre Netze zu reißen drohen. Das Zentrum für Berufungspastoral der deutschen Bischöfe hat dieses Wort für den alljährlichen Gebetstag um geistliche Berufe ausgewählt. Obwohl sie wissen, wie es um die Kirche steht. Die in einer tiefen Krise ist. Ganz unten. Aber gegen alle Resignation und Enttäuschung heißt es in der Einladung zu diesem Gebetstag: „Wir sind überzeugt, dass Gott auch in unseren Tagen in seine Nachfolge ruft; dass es gerade heute erfüllend sein kann, sich in seinen Dienst zu stellen.“ Als Priester, als Ordenschrist oder in einem pastoralen Beruf.

„Werft die Netze aus“ - dieses Wort ist im Grunde uns allen gesagt. Immer wieder gilt es - wie im richtigen Leben - Enttäuschung und Resignation zu überwinden. Die Netze auszuwerfen: In unseren Familien, im Beruf, in den Vereinen und nicht zuletzt in unserer Kirche.

Das Bistum Mainz steht vor großen Veränderungen. Pfarreien werden zusammengelegt: Im Dekanat Rodgau sollen in den nächsten Jahren aus acht Pfarreien bzw. Pfarrgruppen drei werden! Wir werden nicht mehr alle Gebäude halten können. Es wird weniger Priester und pastorale Mitarbeiter, aber auch weniger Katholiken geben. In unserem Dekanat rechnet man bis zum Jahr 2030 mit einem Rückgang von 17%!

Jetzt kann man natürlich jammern und lamentieren - und wie die Jünger sagen: Wir haben uns doch die ganze Nacht abgemüht. Oder - und das ist die andere Möglichkeit: Wir können die Ärmel hochkrempeln und schauen, was geht. Unser Bischof lädt uns ein diesen Weg zu gehen. Mit dem auferstandenen Christus an unserer Seite. Der uns zuruft: „Werft die Netze aus!“ Jetzt erst recht!

Schaut was heute auf der Tagesordnung ist. Das wird der Weg der nächsten Jahre sein. Kein leichter. Aber einer mit Chancen und vielleicht ganz neuen Perspektiven. Angst brauchen wir keine zu haben. Jesus Christus ist derselbe. Er ist der Herr von Zeit und Ewigkeit, Alpha und Omega – so ist die Botschaft des diesjährigen Osterbildes auf der Vorderseite.

Sein Kreuz ist Zeichen des Leides und Todes, aber vor allem Zeichen des Lichtes und der Auferstehung. Auch das sehen wir auf dem Bild. Von daher gewinnen wir Mut. Mut, in unserem persönlichen Leben, aber auch im Leben der Kirche auf den Ruf Jesu zu hören: „Werft die Netze aus“ und genau das zu tun: „Auf dein Wort hin!

In diesem Sinne Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Ihr Martin Weber, Pfarrer

Zur Initiative „Werft die Netze aus“ siehe auch die letzte Seite des Kercheblättche 06_2019, das Sie auf der Startseite unter Lese-Empfehlungen anklicken können.

Scroll to top