Pepples ist jetzt im Katzenhimmel“

So war vor kurzem eine Todesanzeige für eine Katze überschrieben. Eine Todesanzeige für ei­ne Katze!?

Meine erste Reaktion: Kopfschütteln, Unverständnis und das Empfinden, jetzt ist aber mal gut. Und trotzdem hat mich das begleitet. Wie ist das eigentlich mit den Tieren und der Religion? Im Stall von Bethlehem gehörten sie einfach dazu: Der Ochs und der Esel und die Schafe. In vielen Heiligengeschichten sind sie nicht wegzudenken: Die Vögel, die Löwen, die Hunde. In unseren Kirchen weisen der Pelikan und das Lamm auf das Geheimnis der Eucharistie hin. So klar dieser Befund ist, so wenig denken wir im Allgemeinen ethisch oder theologisch über Tiere nach. Deshalb ein paar Hinweise – zum Weiterdenken:

- Tiere sind Gefährten der Menschen. Soziale Wesen. Sie gehören hinein in das Bezie­hungsgeflecht von Einzelnen oder Familien. Da geschieht Interaktion, auch Kommunikation, die sowohl den Menschen, als auch die Tiere betrifft. Faszinierend, welche Wirkung etwa ein Hund auf noch so schwierige Kinder ausüben kann oder wie er ein Lächeln ins Ge­sicht dementer Menschen zaubert.

- Tiere haben ein Eigenleben. Normalerweise reduzieren wir das gerne auf den Dualismus von Fressen und Gefressen – werden. Es ist mehr! Ein US Biologe hat ein Jahr lang ein kleines Waldstück beobachtet. Er schreibt: „Frei lebende Tiere, die sich miteinander ver­gnügen und an der Welt erfreuen, sind ein unglaublich starkes, unmittelbares und reales Erlebnis.....Tiere sind fühlende Wesen, keine Maschinen.“ Aus alldem folgte für Al­bert Schweitzer eine Ehrfurcht vor allem Lebendigen. Wie sehr ist uns dieses Empfinden verloren gegangen!

- Tiere nehmen wir sehr oft nur als Nutztiere wahr. Aber auch sie sind empfindende Wesen. Vor kurzem sah ich einen Bericht über Tiertransporte. Das, was man diesen Wesen da antut, ist ungeheuerlich. Eigentlich ein Verbrechen, obwohl es doch „nur“ Tiere sind.....Dieses Tierleid schreit zum Himmel!

- „Tiere essen“- ein heißes Thema. Menschen definieren sich immer mehr darüber, was sie essen. Ich bin kein Vegetarier und werde es wohl auch nie werden, aber ich spüre schon: So wie bisher können wir nicht weiter ma­chen. Tiere essen bedeutet immer auch das Töten eines einmaligen, empfindenden We­sens.

- Tiere und der Himmel: So sehr mich die Pepples-Anzeige irritiert hat, so sehr erinnert sie an eine elementare Glaubensüberzeugung. Dass Gott einmal die ganze Schöpfung vollenden will. Und zu dieser Schöpfung gehören nicht nur wir Menschen, sondern selbstverständlich auch die Tiere.

So hat uns eine auf den ersten Blick skurrile Anzeige auf Wichtiges hingewiesen: Dass die Tiere vor Gott unsere Mitgeschöpfe sind.

Das meint Ihr

Martin Weber, Pfarrer

Scroll to top