Die Qual der Wahl am 28. Oktober 2018

haben an diesem 28. Oktober die hessischen Bürger. Ich bin kein Hellseher, aber vermutlich werden sich drei Entwicklungen zeigen. Das erste ist die Erosion der ehemaligen Volksparteien CDU und noch stärker der SPD. Das zweite ist das Erstarken der Grünen, die für viele zur bürgerlichen Partei und damit wählbar geworden sind. Das dritte ist der (zweistellige?) Einzug der AFD nun auch in den hessischen Landtag. Darüber mag man sich beklagen, aber in ganz Europa gibt es rechte Parteien in den Parlamenten, die vermeintliche Korrektheiten in Frage stellen. Die Wahl wird möglicherweise zur Qual der Politiker, welche ungewohnte Koalitionen schmieden müssen.

Die Kirche ist vorsichtig geworden mit Wahlempfehlungen. Da sind die Wähler mündig genug. Aber eine Empfehlung gibt es auf jeden Fall:

Wählen gehen! Sein Wahlrecht nutzen! Dass ich überhaupt wählen kann, ist ein hohes Gut, das wir allzu oft zu selbstverständlich nehmen.

Auch am Anfang der Bibel haben zwei Menschen die Wahl. Das Buch Genesis erzählt von Adam und Eva, die zwischen den vielen Früchten der Bäume des Paradiesgartens wählen können. Doch ihre Wahl fällt ausgerechnet auf jenen Baum, von dem Gott gesagt hat: Davon sollt ihr nicht essen.

Was die Bibel damit sagen will: Der Mensch ist ein Wesen der Freiheit, er kann wählen. Das ist übrigens auch das Gottebenbildliche an ihm! So wie Gott in freier Liebe die Welt und uns alle ins  Leben ruft, so ist auch der Mensch frei, darauf zu antworten. Aber, und das ist die Kehrseite: Er hat damit auch die Freiheit das Böse zu wählen, religiös gesprochen, zu sündigen. Für das Gute und das Böse trägt er fortan Verantwortung. Ohne diese Verantwortung ist die Freiheit nicht zu haben.

Sehr eindringlich heißt es im Buch Deuteronomium im 30. Kapitel:

„Hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor.
Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen.
Liebe den Herrn deinen Gott und halte dich an ihm fest, denn er ist das Leben.“

Immer müssen wir wählen, uns entscheiden. Das macht unsere Würde aus, das in Freiheit und Verantwortung zu tun. Dabei geht es meistens um irdische Dinge, Vorläufiges. Hier aber geht es tiefer. Es geht um mich, um meine Existenz, um das Ganze. Da ist die Wahlempfehlung klar: Wähle Gott! Setze alle Karten auf Ihn. Und du wirst eine Freiheit erfahren, die du dir selbst nicht zusagen kannst. Gott befreit dich von aller ängstlichen Sorge um dich selbst. Du bist geborgen in seiner Hand und du bist geborgen auch über dieses irdische Leben hinaus. Weil Gott treu ist, weil er das Leben ist und Leben schenkt.

Mit unserer kreatürlichen Freiheit ist immer die „Qual der Wahl“ verbunden.
Die Freiheit, die Gott schenkt, macht selig..

Ihr Martin Weber,
Pfarrer

750 Jahre Rembrücken

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