Standpunkte 2018

Die vertrete ich von Zeit zu Zeit gerne. Alle, die öfters das Kercheblättche lesen oder meine Pre­digten hören, wissen darum. Ich versuche, „Din­ge auf den Punkt“ zu bringen, zu akzentuieren und manchmal auch zu provozieren. Letzteres aber nicht um seiner selbst willen, sondern im lateinischen Wortsinn des „pro vocare“, des Her-ausrufens zum eigenen Nachdenken, zur Formu­lierung des eigenen Standpunktes. Meine The­men und meine Argumentation schöpfe ich aus verschiedenen Quellen: Politik und Zeitgesche­hen, Bibel und kirchliche Lehre, Gewissen und Verstand. Ich finde es wichtig, einen Standpunkt zu haben und Standpunkte zu vertreten. Das gibt Orientierung in einer zunehmend orientierungs­losen Zeit. Doch dreierlei versuche ich immer auch mit zu bedenken:

  • Standpunkte wirken manchmal wie „von oben herab“, gerade wenn sie aus der kirch­lichen Ecke kommen. Darauf reagieren man­che sehr empfindlich. Zumal in Zeiten, wo die Kirche bei vielen längst den moralischen Kredit verspielt hat. Ein Wort genügt, um zu zeigen, was ich damit meine: Missbrauch. Die Vertuschung des Ganzen. Egal wie diffe­renzierend man all das sehen muss, ist das wie ein Mühlstein, der einem um den Hals hängt. Und eine Warnung Standpunkte allzu selbstgerecht und pharisäisch zu vertreten. Und immer wieder zu fragen: Kannst Du diesen oder jenen Standpunkt glaubwürdig vertre­ten?
  • Standpunkte können Menschen verletzten. Wenn ich mich etwa gegen die „Ehe für alle“ positioniere weiß ich, dass viele homosexu­elle und andere Menschen das als Diskrimi­nierung verstehen. Ähnlich ist das in der Ab­treibungsfrage. Oder bei der Euthanasie. Oder..... Trotzdem finde ich es wichtig, Posi­tion zu beziehen. Denn bei Standpunkten geht es um Wertentscheidungen und auch um die Frage, welche Richtung eine Gesell­schaft, eine Gemeinschaft, eine Kirche ein­schlägt.
  • Es gibt Menschen, die andere Standpunkte vertreten. Manchmal ist es gar nicht so ein­fach, sich auch darauf einzulassen. Oder sogar die Frage zuzulassen: „Könnte er oder sie nicht vielleicht recht haben?“ Zu versu­chen zu verstehen. Und auch wenn Diffe­renzen bleiben und nicht auszuräumen sind, das zu akzeptieren: Weil ein Mensch immer mehr ist als ein Standpunkt. Und deshalb im Gespräch bleiben, weil nichts in dieser Welt einfach schwarz oder weiß ist. Das ist für mich der Beginn von so etwas Schwierigem wie „Verstehen“.

Das meint Ihr

Martin Weber, Pfarrer

750 Jahre Rembrücken

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