Test 2018

„Eines Tages verteilte ein Professor seinen Stu­denten einen unangemeldeten Test. Zur Überra­schung aller gab es diesmal aber keine Fragen – nur einen schwarzen Punkt in der Mitte der Sei­te. Und mündlich nannte der Professor die Auf­gabenstellung:

Beschreiben Sie, was sie dort sehen! Am Ende der Stunde sammelte er die Arbeiten ein und las die Ergebnisse laut vor. Oh­ne Ausnahmen hatten die Studenten den schwarzen Punkt beschrieben: seine Position in der Mitte des Blattes, seine Lage im Raum, sein Größenverhältnis zum Papier etc. Der Professor lächelte und sagte: Ich wollte Ihnen eine Aufga­be zum Nachdenken geben. Niemand hat über den weißen Teil des Papiers geschrieben. Jeder konzentrierte sich auf den schwarzen Punkt – und das geschieht im Leben oft genauso. Wir haben ein weißes Papier erhalten, um es zu nut­zen und zu genießen. Aber wir konzentrieren uns immer nur auf die dunklen Flecken ...“

Das ist so eine der Geschichten, die man sich zuhause visualisieren kann: An der Pinnwand, auf dem Schreibtisch, in einem Buch. Ein schwarzer Punkt auf dem weißen Hintergrund genügt, um sich wieder zu erinnern. Ach ja, ...         

Und das ist auch notwendig. Denn allzu oft tappt unser Geist, unsere Psyche in die gleiche Falle: Nur den schwarzen Punkt zu sehen und die Hauptsache zu unterschlagen: Das viele Schöne, das scheinbar so selbstverständlich ist. Die Wunder, die geschehen und für die wir einfach kein Auge mehr haben. Stattdessen die Kon­zentration auf die dunklen Flecken: Gesundheit­liche Probleme, der Mangel an Geld, die Enttäu­schung mit einem Freund, die komplizierte Beziehung mit einem Familienmitglied. Und das beschäftigt uns, treibt uns um, trübt die Lebens­freude.

In diesen Tagen beginnt nach den „großen Ferien“ so etwas wie zweite Hälfte des Jahres. Bald läuft vieles wieder auf Hochtouren. In den Familien, den Vereinen, den Schulen, in unse­ren Pfarrgemeinden. Manches ist da wieder von uns gefordert. Auch Belastendes, Schweres. Vieles davon liegt im wahrsten Sinne des Wor­tes im Auge des Betrachters. Wenn die kleinen schwarzen Punkte alles zu verschlingen drohen, obwohl sie doch im Vergleich zu dem großen weißen Papier so klein sind. Was da helfen kann? Die schon genannte Visualisierung und das damit verbundene Aha! Oder mit dem heili­gen Augustinus das Gebet um den guten Geist Gottes, der uns hilft das Heilige und Heilsame unseres Lebens zu entdecken:

„Atme in mir, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke./ Treibe mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue./ Locke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe./ Stärke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges hüte./ Hüte mich, du Heiliger Geist, dass ich das Heilige nimmer verliere.“

Ihr Martin Weber, Pfarrer

750 Jahre Rembrücken

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