Eine „skandalöse“ Urlaubs-Lektüre ... 2018

verspricht das neue Buch von Manfred Lütz zu sein:

Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums.“

Aber Vorsicht: Dieses Buch könnte Sie verwirren. Es stellt lieb-gewordene Vorurteile in Frage. Die selbst „guten Katholiken“ schon in Fleisch und Blut übergegangen sind. Zum Beispiel diese: Die Kreuzzüge waren ein einziges Blutbad und Verbrechen der christlichen Kreuzritter. Die Inquisition hat Millionen von Opfern auf dem Gewissen. Die Kirche hat im Gewand der Hexenverfolgung Schuld am Tod ungezählter („weiser“) Frauen und auch Männer. Die Christianisierung Südamerikas war ein reines Verbrechen. Erst die Aufklärung hat das „dunkle Mittelalter“ überwunden, Vernunft und Menschenrechte gebracht. Die Geschichte der Päpste ist eine einzige Skandalgeschichte. Es führt eine direkte Linie vom christlichen An­tijudaismus zum Holocaust ...

In all diesen Fragen gibt es eine Fülle von Klischees – heute würde man fake news dazu sagen -, die Menschen sozusagen mit der Muttermilch einsaugen. Der durchschnittliche Mitteleuropäer glaubt das Christentum und seine Geschichte zu kennen. Aber vieles, was er vermeintlich weiß, ist schlicht falsch. Lütz geht es in seinem Buch darum, diese Falschinformationen zu entlarven. Nicht im Sinne des Reinwaschens: Das geht nicht. Natürlich hat das Kleid der Kir­che viele Flecken. Wie sollte es anders sein nach einer 2000- jährigen Geschichte. Aber im Sinne des Differenzierens. Dabei stützt sich Lütz vor allem auf den Kirchenhistoriker Arnold Angenendt, der 2007 ein gewaltiges Werk vorgelegt hat: „Toleranz und Gewalt - Das Christentum zwischen Bibel und Schwert“.
Im Grunde ist das Buch von Lütz eine popularisierte Wiedergabe dessen, was da schon erarbeitet wurde. Im besten Sinne des Wortes eine „Apologetik“, eine Verteidigungsschrift. Es ist aber zugleich mehr. 

Indem man nämlich die Geschichte des Christentums durchgehend skandalisiert hat, hat man zugleich seine Glaubwürdigkeit und kulturprä­gende Kraft angegriffen. Und das ist die eigentliche Tragik des Ganzen.

Manfred Lütz ist kein Geschichtswissenschaft­ler. Er ist Theologe und Psychotherapeut. Als Theologe versucht er in seinem Buch einzuordnen und zu bewerten. Als Psychotherapeut ermuntert er seine Leser, neue Perspektiven einzunehmen. Gar nicht so einfach, wenn man es sich bisher in allerlei Vorurteilen und vermeintlichen Gewissheiten über „das Christentum“ bequem gemacht hat. Vor allem aber ermuntert er, die Ressourcen des christlichen Glaubens neu zu entdecken und zu nutzen. Und so schreibt er am Ende:  
 „Das Buch spricht von den sogenannten Skandalen der Kirche. Aber die eigentliche Geschichte des Christentums kommt dabei gar nicht vor. Es ist die Geschichte der Heiligen, der spirituellen Aufbrüche, aber auch der großen und vor allem der stillen Leidenden. Und es ist die Geschichte christlicher Schönheit in den himmelstürmenden Kathedralen, den Fresken Michelangelos und der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach“.

Martin Weber, Pfarrer

 

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