Austräger gesucht!

So inserieren oft Verlage, damit ihre Zeitungen, Wochenblätter oder Werbebroschüren unter die Leute kommen. Als ich Jugendlicher war, habe ich mir so etwas Geld dazu verdient. Ich habe das Mitteilungsblatt unserer Verbandsgemeinde ausgetragen. Damals musste ich dazu auch noch vierteljährlich eine kleine Gebühr einkassie­ren und konnte sogar die eine oder andere An­zeige annehmen. Damit habe ich nicht nur mit­bekommen wo, sondern auch wie die Leute wohnen.

Austräger werden auch in unseren Pfarrgemein­den immer wieder gesucht. Manchmal fragen wir einzelne, hilfsbereite Leute an. Zweimal im Jahr bitten wir sehr viele um ihre Mithilfe: Wenn die Pfarrbriefe im April und im Mai die Caritasbriefe an alle Haushalte verteilt werden. Ich bin immer sehr dankbar, wenn das geschafft ist und werbe regelmäßig für diesen Dienst mit den Worten: „Damit können Sie mit einem kleinen Aufwand etwas Gutes tun!“

Manchmal aber denke ich: Wir bräuchten noch viel mehr Austräger! Nein, nicht für Briefe und Drucksachen. Sondern „Austräger des Glau­bens“. Wenn an jedem Sonntag die Messe en­det, dann heißt es nach dem Segen: „Gehet hin in Frieden“. Das heißt nicht: Haltet die Klappe von alldem, was ihr hier erlebt und mitbekom­men habt. Taucht wieder in eure normale Welt ein, die nichts mit dem Sonntagmorgen zu tun hat. Sondern es meint: Gebt den Frieden, den ihr von Gott erfahren habt, weiter. Seid Zeugen eu­res Glaubens! Erst recht, wenn ihr vorher die heilige Kommunion, Christus selber, empfangen habt. Der heilige Ignatius von Antiochien nennt uns deshalb „Christusträger“ und „Christusträge­rinnen“. Also Austräger der besonderen Art. Wir sind berufen, Christus hinauszutragen in die Welt.

Wir sind in einer Phase der Kirchengeschichte, wo wir Katholiken das wieder neu lernen müssen. Viele Jahrhunderte war das anders. Der Glaube wurde selbstverständlich weiter gegeben, sozialisiert. Und im Grunde denken wir immer noch in diesen Kategorien. Dass wir missionarisch sein müssen ist uns so fremd wie das Wort selbst. Dabei ist es unverzichtbar.

Papst Franziskus schreibt in Evangelii Gaudium:

„Die Mission im Herzen des Volkes ist nicht ein Teil meines Lebens oder ein Schmuck, den ich auch wegnehmen kann... Sie ist etwas, das ich nicht aus meinem Sein ausreißen kann, außer ich will mich zerstören. Ich bin eine Mission auf dieser Erde und ihretwegen bin ich auf dieser Welt.“

Zunehmend erkennen Menschen die Wahrheit dieser Aussagen und spüren: So wie bisher kann es nicht weiter gehen. Dass wir uns damit begnügen, eben immer weniger zu werden und höchstens noch das Schöne bewahren, das wir haben. Das ist nicht der Weg Jesu, das kann nicht der Weg der Kirche sein. Wie der Weg aber aussehen kann, darüber müssen wir auch vor Ort nachdenken: In den Räten, in Initiativen, in Neuanfängen. Und ganz gewiss nicht ohne Sie: Austräger des Glaubens! Dringend gesucht! Deutlich mehr als ein Nebenverdienst!

Ihr Martin Weber, Pfarrer

750 Jahre Rembrücken

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