„Das hat doch mit dem Islam nichts zu tun!“

So heißt es bei Politikern und Meinungsmachern nach jedem islamistischen Anschlag. Und wer es wagen sollte eine andere Meinung zu haben, der wird als „islamophob“ stigmatisiert und bei man­gelnder Umkehrbereitschaft gerne auch exkom­muniziert.

Nun findet sich in der FAZ vom 19. August ein spannendes Interview mit Kyai Haji Yahya Cholil Staquf, dem Generalsekretär der größten musli­mischen Vereinigung Indonesiens, das wiede­rum das größte muslimische Land der Welt ist. Und in einem seiner Statements sagt er:

„Westli­che Politiker sollen aufhören zu behaupten, Ex­tremismus und Terrorismus hätten nichts mit dem Islam zu tun. Es gibt einen ganz klaren Zu­sammenhang zwischen Fundamentalismus, Ter­ror und Grundannahmen der islamischen Ortho­doxie ... Der Westen muss aufhören, das Nach­denken über diese Fragen für islamophob zu erklären. Oder will man mich, einen islamischen Gelehrten, auch islamophob nennen?“ Drei Punkte sind für ihn problematisch: Das Verhält­nis von Muslimen zu Nichtmuslimen, das Ver­ständnis des Staates und des Rechts. Der tradi­tionelle Islam sieht das Verhältnis von Muslimen und Nichtmuslimen in den Kategorien der Ab­grenzung und Feindschaft. Was das für das Zu­sammenleben von Menschen in multikulturellen Gesellschaften bedeutet, kann man sich vorstel­len. Ein einheitlicher islamischer Staat („Kalifat“) gilt als ideale Regierungsform und die unverän­derliche Scharia steht über den weltlichen Ge­setzen. Diese Lesart des Islam vergangenen Jahrzehnten insbesondere von Saudi-Arabien mit Milliarden Dollar unterstützt und in die ganze Welt exportiert.

Den Islam gibt es nicht, so wenig, wie es das Christentum gibt. Aber man sollte die Augen nicht davor verschließen, dass die von Yahya Cholil Staquf beschriebene Lesart dieser Religi­on keine periphere, sondern eine inzwischen auch im Westen weit verbreitete ist. Und leider ist das der Nährboden des islamischen Terro­rismus.

Aber es beginnt früher, harmloser. Wo in den Schulen christliche Mitschüler als „Schwei­nefleischfresser“ bezeichnet werden; wo Frauen der Handschlag verwehrt wird; wo das Kopftuch keine freie Wahl, sondern Zwang ist; wo Staat, Polizei und Recht von muslimisch geprägten Gangs nur verachtet werden ...

Ich muss zugeben, dass ich nicht allzu optimis­tisch bin, wie sich das alles in den nächsten Jahren entwickeln wird. Zu blauäugig, zu ideolo­gisch blind ist man das alles in den letzten Jah­ren angegangen. Aber, das ist wie im wirklichen Leben: Probleme, die geleugnet werden, können auch nicht gelöst werden.

Als Christ will ich jeden Menschen achten und respektieren. Und jeder hat das Recht, seine Religion frei zu leben. Aber es gilt auch klug und realistisch zu sein. Zusammenleben kann nur gelingen, wenn über die Grundlagen dieses Zusammenlebens ein Konsens herrscht. Dar­über sollte offen gesprochen und wenn nötig auch gestritten werden.

Martin Weber, Pfarrer

750 Jahre Rembrücken

Downloads

Scroll to top