Predigten im Heiligen Triduum

Predigten im Heiligen Triduum

Maria Magdalena: gerufen bei ihrer Namen- Zeugin der Auferstehung

Liebe Schwestern und Brüder,
man nennt Ostern manchmal ein „bewegliches Fest“, weil es keinen festen Termin hat. Das Konzil von Nicäa legte 325 fest, dass dieses Fest immer nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert wird. Und in diesem Jahr sind wir deshalb kalendermäßig sehr früh dran mit Ostern. Ein bewegliches Fest. Das gilt auch im übertragenen Sinn. Im Evangelium des Ostersonntags häufen sich die Verben „laufen“ und „gehen“. Alles gerät in Bewegung. Maria rennt zu Petrus und Johannes. Petrus und Johannes laufen, ja rennen zum Grab. Ostern ist wirklich ein bewegliches Fest. Aber die äußere Bewegung reicht nicht aus. Ostern muss vor allem innerlich etwas bewegen.  Das Evangelium erzählt uns, dass dies bei Johannes geschieht.  Er betritt das leere Grab und intuitiv erkennt und versteht er: „Er sah und glaubte“, heißt es im Evangelium.

Für mich die am meisten berührende Begegnung ist aber die mit Maria Magdalena. Früh morgens ist sie zum Grab gekommen, um dem toten Jesus nahe zu sein, um ihn zu trauern und den leblosen Körper zu salben. Nachdem Johannes und Petrus weggegangen sind, bleibt sie weinend zurück. Sie ist überzeugt, dass man ihr nun auch noch den toten Jesus genommen hat. Und dann begegnet Er ihr. Aber seltsam: Maria von Magdala, die so vertraut mit ihrem Meister war, erkennt ihn nicht. Sie glaubt, es sei der Gärtner. Wie kann das sein? Auch in den anderen Evangelien wird  ja immer wieder erzählt, dass die Jünger den Auferstandenen nicht gleich erkennen. Ein Hinweis darauf, dass er nicht einfach ins Leben zurückgekehrt ist. Es geht bei der Auferstehung nicht um die Wiederbelebung eines Leichnams. Jesus lebt, aber in einer neuen Weise: Er ist derselbe und doch anders. Und auf Seiten Marias: Da ist wie eine Blockade in ihr: schwere Gedanken, bodenlose Trauer und Tränen und immer wieder Tränen verändern, verengen ihren Blick. Mit einem Wort wird dieser Abstand überwunden: „Maria“. Ihr Name, nicht mehr und nicht weniger. „Maria“. Aber wie so oft im Leben macht der Ton die Musik. Ich denke: Jesus sprach diesen Namen voller Liebe aus. Er sah sie an, was in diesem Moment ganz und gar bei ihr. Das ist der Moment, in dem sie ihn erkennt: „Rabbuni; Meister“ antwortet sie ihm. Und er antwortet: „Halte mich nicht fest, denn ich muss zum Vater gehen. Aber erzähle den anderen, was du erlebt hast.“ Maria erfüllt diesen Auftrag und verkündet den Jüngern: „Ich habe den Herrn ge= sehen“! Sie wird zur ersten Auferstehungszeugin. Maria Magdalena gehört damit zu den großen Frauen der Christenheit. Man nennt sie „apostola apostolorum“, die Apostelin der Apostel.  Und genau das ist sie.

Lothar Zenetti lässt Maria in einem Gedicht zu Wort kommen, in dem es heißt:
„Mir ist ein Stein vom Herzen genommen/ meine Hoffnung, die ich begrub/ ist auferstanden, wie  er gesagt hat/ Er lebt! Er lebt! Er geht mir voraus!“ – Das ist Ostern: Ein Stein wird uns vom Herzen genommen. Das Leben lebt und durchströmt uns. Leben, das nicht mit dem Tod endet. Sondern in die beglückende Ewigkeit Gottes hineinführt, in die Jesus uns vorangegangen ist. Als der Anführer des Lebens.

Lieber Julian,
vielleicht denkst Du, was hat denn das mit mir zu tun, was der da erzählt. Ich denke schon einiges. Du bist seit einigen Jahren hier in unserer Gemeinde. Du kamst, zusammen mit Leonie, nach Heusenstamm zu Deinen Pflegeeltern, Salud und  Gerd- Uwe. Und es freut mich sehr, dass dein leiblicher Vater heute auch mit dabei ist. Du hast hier eine Familie, Heimat und Freunde gefunden. Und so kennen auch wir uns schon eine ganze Zeit. Vor einigen Jahren stand die Erstkommunion an. Du wärst schon damals gerne dabei gewesen, aber aus den verschiedensten Gründen ging das nicht.  Wir haben gesprochen und du hast die Kommunion-Vorbereitung zusammen mit deinen Freunden mitgemacht. Auch bei der Erstkommunion warst Du dabei. Nur: zur Kommunion konntest Du nicht gehen, weil du ja noch nicht getauft warst. Danach bist du zu den Messdienern gegangen. Aber auch da warst du dabei, ohne zur Kommunion zu gehen. Und das ging jetzt einige Jahre. Bis es jetzt, kurz vor deinem 14. Geburtstag, endlich möglich ist, beides zu feiern: Deine Taufe und Erstkommunion. Das freut mich sehr und gewiss viele, die heute mit Dir gekommen sind oder das im Gottesdienst zum ersten Mal hören. Und ich möchte dir auch meinen Respekt sagen: Dass du so lange gewartet hast, so lange treu geblieben, so am Glauben dran geblieben ist, versucht hast Jesus immer mehr lieb zu haben, das ist schon eine tolle Sache. Ich finde, da bist Du schon ein kleines – oder sogar großes Vorbild!

Heute nun ruft dich Jesus – ähnlich wie bei Maria Magdalena - noch einmal besonders bei deinem Namen. Und ich denke, auch hier macht der Ton die Musik. Er ruft dich liebevoll und mit großer Wertschätzung. Du – Julian - wirst in der Taufe mit Jesus verbunden, untrennbar. Und in der heiligen Kommunion darfst du ihn empfangen – verborgen unter der Brots-Gestalt: Christus, den gekreuzigten und auferstanden Heiland.  Und dann bist berufen von diesem Jesus Kunde zu geben. Wie Maria Magdalena ein Zeuge der Auferstehung zu sein. Nicht allein, sondern mit uns allen, die wir uns nun freuen, wenn du getauft wirst!

Martin Weber, Pfarrer

Das Erschrecken und die Freude der Auferstehung

„Da bin ich zu Tode erschrocken“ – das sagen wir manchmal, wenn uns etwas Krasses, etwas Überraschendes widerfährt.  Wenn wir knapp an einem Unfall vorbeischrammen; wenn einem plötzlich siedeheiß einfällt, was man versäumt hat; wenn man eine plötzliche, überraschende Nachricht bekommt.  Und manchmal ist es für Kinder eine große Freude jemanden zu erschrecken und zu sehen, wie der oder die zusammenzuckt.

Zu Tode erschrocken“, waren auch die Anhänger von Jesus. Zuerst müssen sie miterleben, wie er einen schrecklichen Tod gestorben ist. Viele von ihnen nur von ferne, weil sie Angst hatten. Manche ganz nah, weil sie bis unters Kreuz mitgegangen sind. Aber der Schrecken so einer Kreuzigung, den wird man wohl nie vergessen. Und jetzt kommen sie ans Grab, um  ihren Freund zu betrauern und wieder ist alles so erschreckend anders, als sie es erwarten. Nimmt denn das kein Ende? Der Stein ist weggewälzt, jemand Fremdes ist in der Felsenhöhle. Für sie ist das nur erschreckend! Ob dieser Schrecken ein Ende hatte, als sich dieser Fremde im Grab als Bote Gottes zeigte und Ihnen die Worte sagte: „Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden. Er ist nicht hier. Nun aber geht und sagt seinen Jüngern: Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen!“

Soll das jetzt die Osterbotschaft sein: Statt Freude das Erschrecken? Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ankommt. Für mich aber heißt das erst einmal: Die Jünger sind keine Traumtänzer. Sie wissen, dass der Tod menschlich gesehen das Ende ist. Dass jemand von den Toten aufersteht, ist außerhalb ihres Blickwinkels. Deshalb erschrecken sie, es passt nicht zu ihrem bisherigen Navigationssystem. Und sie spüren. Das ist eine ganz andere Dimension; das ist ganz und gar das Werk Gottes, was hier geschieht. Er ist der Hauptakteur. Er allein kann Tod in Leben wandeln. Das ist erschreckend, weil da ein Größerer wirkt. Das ist aber – wenn auch mit Verzögerung-  der Grund ihrer Freude. Einer Freude, die erschreckend schön ist. Erschreckend, weil sie nicht von uns stammt, von uns gemacht ist, aber schön, weil sie eine neue, göttliche Dimension in unser Leben hineinbringt.

Die ganze Feier dieser Tage, besonders auch die Osternacht, versucht das in ihren Zeichen und Symbolen zu vermitteln. Da ist ein Licht, das heller und wichtiger und schöner ist als alle Lichter der Luminale zusammen. Ein Licht, das von Gott kommt, das „Lumen Christi“,  das Licht der Auferstehung. Seitdem ist unser Leben anders, erschreckend schöner und reicher. Christen sind Menschen, die aus diesem Erschrecken und aus dieser Freude heraus leben: Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden.

Wir haben in unserer Pfarrgruppe an diesem Osterfest ältere Kinder und einen Jugendlichen getauft. Ich habe mich auf diese Taufen gefreut. Die Täuflinge haben diesem Tag entgegengefiebert. Das war früher schon so. Ostern war der klassische Tauftermin. In der alten Kirche wurden – oft nach langer Vorbereitung – Erwachsene getauft. Taufe und Ostern gehören zusammen. Deshalb brennt bei jeder Taufe die Osterkerze und die Taufkerze wird an ihr entzündet. Denn Taufe bedeutet, mit Christus zu sterben, um dann in einer neuen Weise mit ihm zu leben. Taufe bedeutet, das Leben zu empfangen, das uns in der Auferstehung geschenkt wird. Leben, das nicht mit dem Tod endet, weil es von Gott kommt und weil Gott einmal vollenden wird, was er in der Taufe geschenkt hat.

Liebe Schwestern und Brüder,

Ostern ist ein erschreckend schönes Fest. Christus hat in seiner Auferstehung den Schrecken des Todes überwunden. Deshalb brauchen wir uns nicht mehr zu Tode erschrecken.

In dieser Freude dürfen wir uns an unsere eigene Taufe erinnern lassen. Wenn wir uns mit dem österlichen Taufwasser besprengen lassen und das Tauferinnerungslied singen.  Amen

Martin Weber, Pfarrer

Das Kreuz- gesehen „von oben“ und „von unten“

Liebe Schwestern und Brüder,

so etwas wie das Kreuz kann man nicht auf einen Begriff bringen.

Man kann es sozusagen „von oben“ betrachten- von Gott her. Das tut Johannes in seiner Passion. Da ist das Leiden und Sterben Christi. Aber bei jeder Zeile spürt man: Es ist eingefügt in einen großen Plan. Jesus ist nicht nur das hilflose Opfer, er ist vielmehr der, der die Szene beherrscht. Die anderen sind im Grunde nur Mitspieler, so wichtig sie auch scheinen mögen.

Ganz deutlich wird das bei Pilatus. Er ist doch der, der die Macht hat. Der entscheiden kann. Aber hier ist er im Grunde bloß ein kleines Rädchen im Getriebe. Er, der resigniert fragt: „Was ist Wahrheit?“, gerade ihm kommt die Rolle zu, die Wahrheit über diesen Jesus zu sagen. Er befiehlt ein Schild über dem Kreuz anzubringen: „Jesus von Nazareth, König der Juden“. Und er beharrt darauf, dass es bleibt: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben“.

Auch die Soldaten, die Jesus quälen, sind letztlich nur Mitspieler eines viel größeren Schauspiels. Die um sein Gewand würfeln und so ein Schriftwort erfüllen. Und schließlich der Soldat, der die Lanze in die Seite Jesu sticht, womit wiederum die Schrift erfüllt wird: Keinen Knochen zerbricht man an Jesus und die Menschen schauen auf „Den, den sie durchbohrt haben“.

Das Kreuz, so sagt es der Evangelist Johannes, ist kein bloßes Menschenwerk. Es ist das Werk Gottes. Der Sohn Gottes geht seinen Weg durch Leiden und Tod. Er bleibt treu in seiner Liebe, bis  zur Hingabe seines  Lebens. Damit zeigt er zugleich auch die eigentliche Berufung des Menschen: „Ecce homo. Das ist der Mensch.“ Und wiederum ist es Pilatus, der diese Wahrheit ausspricht!

Das Kreuz ist Gottes Werk. Im Kreuz überwindet der Sohn Gottes den Tod. Im Tod ist zugleich seine Verherrlichung.  Deshalb kann er sagen: „Es ist vollbracht“. Und deshalb  bekennen wir nachher bei der Kreuzverehrung: „Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen: das Heil der Welt!“ und wir verehren das Kreuz, den erhöhten Herrn mit einer Kniebeuge! Im Kreuz ist die tiefste Offenbarung der Liebe Gottes, die man sich denken und vorstellen kann. Und an Ostern wird unübersehbar deutlich: Diese Liebe ist stärker als der Tod.

Der Kartäuserorden, der strengste Orden unserer Kirche, hat sich seit dem Mittelalter einen Wahlspruch gegeben. „Das Kreuz steht, während sie Welt sich dreht“. In der Passionsgeschichte dreht sich alles Mögliche um Jesus, doch Er ist der Hauptakteur.  Er ist der „Sieger, der König, der Herr in Ewigkeit“. Das zu wissen ist so gut. In all dem, was uns umgibt: So viel Brutalität, Unmenschlichkeit,  Missbrauch, Profitsucht, Gedankenlosigkeit, Überheblichkeit und Arroganz. Das alles – so dominierend es erscheint - vergeht, das Kreuz bleibt. Die Tat Gottes. Die uns zeigt: Die Liebe ist stärker als der Hass, das Leben triumphiert über den Tod!

Man kann das Kreuz aber – und das ist der zweite Punkt- „von unten“ her betrachten, vom Menschen her. Und da ist Jesus einer, der Schreckliches erlitten hat und schließlich gestorben ist. Da ist er einer von uns! So wie es eine alte Frau einmal gesagt hat, die von ihrem Krankenlager oft auf das Kreuz geblickt hat und immer wieder gesagt hat: „Der da versteht mich“.„Der da versteht mich“-

Literarisch hat das vor einigen Jahren Eric- Emanuel Schmitt in seinem Büchlein „Oskar und die Dame in Rosa“ verarbeitet.  Oskar, das ist ein kleiner, todkranker Junge, der im Krankenhaus liegt und nicht mehr an Gott glauben  kann. Oma Rosa ist eine Ehrenamtliche, die ihn oft besucht und ihn eines Besseren zu belehren versucht. Unter anderem mit einem Besuch beim lieben Gott:

„Wollen wir nicht den lieben Gott besuchen?“

„Ach, sie haben seine Adresse rausgekriegt?“

„Ich glaube, er ist in der Kapelle“

Oma Rosa zog mich an, als würden wir zum Nordpol aufbrechen. Sie nahm mich in die Arme und führte mich zur Kapelle, die sich im Krankenhausgarten befindet…….. Ich habe natürlich einen Riesenschreck bekommen, als ich dich dort hängen sah. Als ich dich in deinem Zustand gesehen habe, fast nackt, ganz mager am Kreuz, überall Wunden, die Stirn voller Blut durch die Dornen, und der Kopf, der dir nicht mal mehr gerade auf den Schultern saß.  Das hat mich an mich selbst erinnert. Ich war empört.  Wäre ich der liebe Gott, wie du, ich hätte mir das nicht gefallen lassen. „Oma Rosa, im Ernst: Sie als Catcherin, Sie als Superchamp, Sie werden doch so einem nicht vertrauen!“

„Warum nicht Oskar? Würdest du dich eher einem Gott anvertrauen, wenn Du einen Bodybuilder vor Dir hättest, mit wohlgeformten Fleischpaketen, prallen Muskeln, eingeölter Haut, kahlgeschoren? Denk nach Oskar. Wem fühlst du dich näher? Einem Gott, der nichts fühlt, oder einem Gott, der Schmerzen hat?“

Ihr Martin Weber, Pfarrer

750 Jahre Rembrücken

Downloads

Scroll to top